Pop-up Galerien sind nicht wirklich etwas Neues, es gibt schon seit längerem den Trend, leerstehende Geschäftsräume kurzfristig und temporär an Aussteller:innen, Künstler:innen und Verleger:innen zu vermieten. Neu ist aber, dass dies jetzt auch mit Geschäftsräumen geschieht, die nur vorübergehend geräumt werden, so dass sich die Inhaber:innen genötigt sehen mitzuteilen, dass sie nicht etwa aufgeben, sondern Kunst fördern.

Galerie 1: Dagmar Maas, die Inhaberin des NIHON MONO / Kogei (Potsdamer Straße 93), die normalerweise Kunst und Kunsthandwerk, japanische Lebensmittel und Mittwoch bis Samstag Lunch-Boxen verkauft (mittendran vom 19. Juni 2025), hat ihr Studio vollständig geräumt für die Ausstellung einer Liebesgeschichte in Fotos und einer fast zehn Meter langen Installation von Geschenkpäckchen in einem Meer von buntem Konfetti der Künstlerin Berit Uhlhorn.

Galerie 2: In den „Panama-Höfen“ (auch Potsdamer Straße 91) hatte der Meister des Friseur-Studios Monkey Hair Berlin, Patric Götz, alles – bis auf den Stuhl zum Haarewaschen – geräumt (es war eh nicht viel), um Platz für eine Verlegerin, Natalia Göllner, zu machen, die dort mit der Ausstellung Bücher Sturz aufwendig gestalteten Kunstbücher – jedes ein Einzelstück – ausstellte, die sie in dieser Form kaum auf Buchmessen präsentieren könne, wie sie sagte.

Galerie 3: Und im gleichen Hof hatte auch Floristik-Meister Masaki Matsuyama von der blumenkunst seine Ausstellung zwischen Ikebana und Floristik (mittendran vom 8. April 2026) neu dekoriert, zusammen mit Fotografien von Venedig („la serenissima“) des Fotografen Wolf von Lindenfels.

Galerie 4: Der Showroom von Andreas Murcudis an der Potsdamer Straße 77 (nicht in den Mercator-Höfen) hat schon öfter als Pop-up-Galerie gedient und war in diesem Jahr klassischer und zeitgenössischer Fotografiekunst gewidmet, dazu Foto-Bildbände – muss man mögen.

Nur die größte aller Pop-up-Galerien der vergangenen Jahre im Viertel, die NOTAGALLERY von Ivan Gette, hat seine Räumlichkeiten (Potsdamer Straße 124) nicht mehr geöffnet, nachdem sie nach Kreuzberg umzogen sind. Aber vermutlich ist die Miete längst gekündigt und nur das Logo noch nicht entfernt, und wer möchte schon unter falscher Fahne ausstellen?
