Auch wenn wir Josi, den vermuteten Albumeigentümer (mittendran vom 2. Juli 2026) noch nicht gefunden haben, wollen wir weitere Fotos aus seinem Album aus dem Lützow-Viertel der 1960er Jahre hier zeigen.
Das schwierigste Foto erschien uns das mit dem Spielplatz für Jung und Alt, insbesondere weil das alleinstehende Haus im Hintergrund so gar keine Assoziationen auslöst: Wo stand um 1964 ein mehrstöckiges Wohnhaus mit vier Achsen (Fenstern), wovon eine offenbar ein Erker war, allein auf weiter Flur stehend, kein Haus links oder rechts. Am Magdeburger Platz nur die Häuser mit den Nummern 2 and 3, das waren zwei Altbauten nebeneinander, im Blumeshof waren es die Nr. 15 und 17, die den Krieg überstanden hatten. Und davor musste 1964 ein Spielplatz gewesen sein.

Bild 1: Foto Nr. 9 aus Josis Fotoalbum (siehe: https://www.mittendran.de/wer-erinnert-sich-josi/)
Also haben wir zunächst Luftaufnahmen von Berlin studiert, die seit dem Kriegsende alle fünf Jahre bis in die Jetztzeit gemacht wurden (1). Die hochaufgelösten Fotos zeigen viele Details des Viertels, allerdings keine Häuserfronten, sondern ausschließlich Dächer. Da fiel es schwer, ein einzelnes, alleinstehendes Haus zu identifizieren und dessen Alter zu bestimmen, selbst wenn man sich einzelne Abschnitte des Fotos in sehr hoher Vergrößerung anschaut.

Bild 2: Luftaufnahme des Lützow-Viertels 1964 in einer Auflösung von 1:10.000, was üblicherweise die Sichtbarkeit von Objekten in der Größe von einem Meter (= 1 Pixel) erlaubt (Quelle: (1)).
Stattdessen fiel uns auf dem Magdeburger Platz, bei dem die ursprüngliche Kontur der Markthalle noch nachvollziehbar war, eine merkwürdige Struktur auf, die an das in Bild 1 auffallenden Röhrensystem erinnerte, als Spielgerät in heutigen Zeiten kaum mehr denkbar, aber angesichts der beschränkten Möglichkeiten der Nachkriegsjahre sicherlich funktional: Die Kinder hatten bis dahin fast ausschließlich in Trümmern gespielt, dagegen waren intakte Betonröhren ein echter Fortschritt. Und die neben diesem Röhrensystem stehenden drei einzelnen Röhrenteile, im Foto oben dokumentiert, fanden sich ebenfalls in der Luftaufnahme.

Bild 3: Auschnitt aus der Luftaufnahme mit dem rot markierten Röhren auf dem Spielplatz und dem blau markierten Wohnhaus Genthiner Straße 22, das links als Ausschnitt aus Bild 1 gezeigt ist.
Nachdem wir die Identität dieser Spielgeräte gesichert hatten (roter Kreis), war es nicht schwer, den Standpunkt des Fotografen zu bestimmen und von dort aus seine Blickrichtung nach Westen: Das Foto wurde gegen Abend aufgenommen, die Sonne stand schon tief im Westen, die langen Schatten zeigten nach Osten. Und dann fiel auch das alleinstehende Haus an der Genthiner Straße (blauer Kreis) auf. Es war das zweite Haus nach der Ecke Lützowstraße/Genthiner Straße mit der Hausnummer 22, heute das Altersheim ProSeniore. 1939 gehörte das Haus dem Direktor R.D. Friedländer aus Hamburg, und beherbergte fünf Mietparteien. Das offensichtlich stark beschädigte Haus wurde zwischen 1964 und der nächsten Luftaufnahme 1969 abgerissen.
1. Quelle der Luftaufnahme: https://gdi.berlin.de/viewer/luftbilder/
