Der Autor, Ralf Hausding, ist in Tiergarten nah am Potsdamer Platz aufgewachsen und erinnert sich gern an seine Kindheit in der Nachkriegszeit. Mit seinem Kiez rund um den Potsdamer Platz hat er sich intensiv beschäftigt und entdeckt, dass von dort aus viele technische Innovationen an den Start gingen. Heute bietet Ralf Hausding Stadtrundgänge in Tiergarten und weiteren Berliner Bezirken an.
Wussten Sie schon…
… Im Jahre 1928 eröffnete im Telschowhaus, Potsdamer Straße 141 (später Nr. 1) Ecke Potsdamer Platz, die erste Filiale der „Photomaton“. Diese neue Erfindung der Sofortbilderstellung, so wie sie auch heute noch gebräuchlich ist, kam wie vieles andere aus den USA. Mit großen Schriftzügen und Plakaten wurde am Haus geworben. In den Adressbüchern ist diese Institution bis zum Jahre 1943 nachweisbar, also vermutlich bis zur Zerstörung des Hauses im Bombenkrieg.

Das Telschow-Haus am Potsdamer Platz. Postkarte
… Im Haus Potsdamer Straße Nr. 15 hatte der Fleischermeister Johann Cassel im Jahre 1870 seinen Laden. Das Haus würde sich heute etwa auf dem Marlene-Dietrich-Platz befinden.
Neben vielen Fleisch- und Wurstprodukten bot er auch einen „Geräucherten Schweinerücken „A la Berlinoise“ an. Da sich viele Berliner diesen Namen wohl nicht merken konnten oder wollten, bürgerte sich bald die noch heute verwendete Bezeichnung „Kasseler-Braten“ ein. So täuscht man sich über die Bezeichnungen. Auch das Wiener-Würstchen stammt nicht aus Wien, sondern aus Kreuzberg, von einem Fleischermeister aus der Wiener Straße.
Wussten Sie schon…
… dass Programme wie Skype nichts Neues sind? Bereits in den 1930er Jahre konnte man seinen Gesprächspartner beim Telefonieren sehen.
Nachdem in den Jahren 1934/35 durch die Erfindung der Braunschen Röhre die Fernsehtechnik stark verbessert wurde, konnte, nach Versuchen auf der Funkausstellung 1935, im Jahre 1936 die erste Fernseh-Sprechverbindung aufgenommen werden.
Am 1. März 1936 wurde mit der Eröffnung der Leipziger Messe eine solche Verbindung zwischen Berlin und Leipzig aufgenommen. Dazu wurde ein erstes koaxiales Fernsehkabel zwischen beiden Städten verlegt. Die erste Fernseh-Sprechstelle befand sich im Gebäude Hardenbergstraße/ Ecke Joachimsthaler Straße und wurde am 25. März 1936 für den Publikumsverkehr freigegeben. Eine weitere Sprechstelle wurde im Columbushaus am Potsdamer Platz eingerichtet, die Gegenstelle befand sich im Postamt C1 am Augustusplatz in Leipzig.

Luftaufnahme Potsdamer Platz 1954. In der Bildmitte links das Columbus-Haus. Foto: Wschmock, Public domain, via Wikimedia Commons. Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication
Die Gebühr für ein Fernseh-Ortsgespräch lag bei 1,50 RM, für ein Ferngespräch wurde der doppelte Tarif des normalen Gesprächs angesetzt. 1938 wurde die Verbindung bis nach München erweitert.
Im Jahre 1940 wurde der Dienst wegen technischer Probleme eingestellt.

Gedenktafel am Ort des ehemaligen Voxhauses ©️Gedenktafeln in Berlin
… Am 29. Oktober 1923 begann die Geschichte des öffentlichen Rundfunks in Deutschland. Unter dem Dach des Vox-Hauses, Potsdamer Straße 4 (später Nr. 10), nahm die Funk-Stunde Berlin den regelmäßigen Sendebetrieb auf Welle 400 Meter auf. Ein Röhrensender strahlte erstmals ein „Programm zur Unterhaltung und Belehrung“ aus.

Das Voxhaus in den 1920er Jahren
