Marathon ist mehr als nur laufen

Der Berlin Marathon gilt mit seinen genau 42,195 km als die schnellste Marathonstrecke der Welt. Start und Ziel wird für rund 25.0000 Marathonläufer und Läuferinnen wieder am Brandenburger Tor sein.

Marathonläufer (Foto:eki)

Einer von ihnen, der am kommenden Sonntag „bei uns“ vorbei laufen wird und den wir mit unserem Applaus anfeuern können, ist Michael. Für ihn ist es sein 31. Marathon.

„Warum ich Marathon laufe, ist natürlich schwer zu trennen von der Frage, warum man überhaupt läuft“, sagt er auf meine Frage, was Marathon laufen für ihn bedeutet.

„Wenn man läuft setzt man sich irgendwann einmal ein Ziel.  Meinen ersten Marathon bin ich 1988 gelaufen, ab 1990 hab ich dann nicht mehr aufgehört damit. Berlin, das ist mein Heimatmarathon.

Die 42 km sind eine Strecke, die man nicht einfach mal macht. Das muss man trainiert haben, um da anzukommen und diszipliniert sein muss man. Prinzipiell kann es jeder machen, der es will.

Du darfst nicht zu schnell starten, sonst kriegtest Du die Rechnung in dieser Königsdisziplin. Ich laufe mein Tempo, sehe gerne, was die Zuschauer*innen machen, freue mich über den Applaus. So bei Kilometer 30-32 kommt manchmal der Mann mit dem Hammer. Ganz abrupt fällt Dir das Laufen schwer. Du kriegst kaum noch ein Bein vor das andere. Dann sind die Kohlehydrate aufgebraucht, Dein Körper schaltet auf Fettverbrennung um, eine Umstellung, die immer kommt. Aber nach so vielen Kilometern weiß ich, ich komme ins Ziel, auch wenn ich in diesem Loch bin, ich pack‘s, das kann ich einschätzen.

Diese Medaille hol ich mir.

Wenn Du richtig ins Laufen kommst, erlebst Du das Hoch des Läufers in dem Du nur noch läufst. Das Gehirn schaltet ab.  Eigentlich läufst Du jetzt nur noch, alles andere wird unwichtig. Du musst nicht darüber nachdenken: Was machst Du eigentlich die 4 Stunden? Du läufst nur noch.

Marathon laufen hat auch eine soziale Komponente, die heißt für mich regelmäßig mit Freunden trainieren. Außerdem mache ich mit meiner Trainingsgruppe jedes Jahr eine Marathonreise. Wir erleben eine fremde Stadt, in die wir sonst vielleicht nicht gefahren wären. Für uns verbindet sich eine solche Reise immer mit einem Kurzurlaub. In der Zeit wohnen und kochen wir zusammen, laufen den Marathon, schauen uns in der Stadt um.

Beim Marathon läufst Du auf der Straße, da siehst Du die Stadt noch mal ganz anders, hast eben einen anderen Blick drauf. New York zum Beispiel. Diese riesenbreiten Straßen in Manhattan und Du darfst da mittendrauf laufen. Da kommst Du ohne den Lauf sonst nie hin. Da zu laufen ist dann schon der Wahnsinn.

Das gilt natürlich auch für meinen Heimatmarathon, wenn ich z. Bsp. das Stück durch Tiergarten laufe und mir aus dieser Perspektive auffällt was sich alles im Kiez verändert.

Der Berlin Marathon hat dann immer mal eine Kurve, das bringt Abwechslung. Die gesamte Strecke ist eine große Runde, das läuft sich schöner als eine Laufstrecke die nur geradeaus geht oder super enge Kurven hat. Die laufe ich nicht so gerne.

Marathon, das ist der Reiz es zu schaffen, weil es eine so lange Strecke ist. Die Aufgabe ist es durchzuhalten.

Mein Ziel am Sonntag ist unter 4 Stunden zu laufen. Es dann geschafft zu haben, dieses lange Ding durchzuhalten ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Ich bedanke mich bei Michael für das Gespräch

Marathon Streckenplan

 

Edith Kitzelmann

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