Little Sister is watching you…in „Wonderland“

Rosa-violettes Licht in der Galerie: Markenzeichen von Esther Schipper (Foto: APZ)

„Grace“ von Julia Scher, 1997, C-print, 182 x 127 cm (Foto: APZ)

Rosa-violettes Licht in der Rooftop-Gallery von Esther Schipper. Als  Masterpiece: das Foto eines kleinen Mädchens. Nicht lieb und nett anzuschauen, nicht brav lächelnd, nicht herausgeputzt und gut frisiert. Diese „Alice im Wonderland“ trägt zwar Mädchenrosa, hält ihren Mund aber energisch geschlossen, eine dicke Hornbrille sitzt auf der Nase. Unübersehbar ist das Männerattribut Krawatte und die Machtsymbole der Ordnungshüter: Officermütze und Schlagstock. Drohend steht das Schulmädchen da. Lauernd, dem Betrachter tief und ernst ins Auge blickend mit einem „Na warte – wenn du nicht gleich …!“

Galeristin Esther Schipper schätzt Julia Scher sehr: sie stellt die Multimedia Künstlerin  (Jahrgang 1954, geboren in Hollywood, Los Angeles, USA) bereits zum fünften Mal in 18 Jahren. In den Räumen in den Mercatorhöfen (Potsdamer Straße 81E) zeigt sie diesen Winter bis zum 02.Februar 2019 ihre Installation aus Duratrans-Drucken und Zerrspiegeln  „Wonderland“ aus dem Jahr 1998, die in der Andrea Rosen Gallery New York präsentiert wurde.  Kein alter Käse, bedenkt man unsere Problematik des überall auffindbar, erreichbar und durchschaubar Seins.

Die Themen Wachen und Überwachen bestimmen das „Wonderland“ von Julia Scher. (Foto: APZ)

Julia Scher, die seit 2006 Professorin für Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln ist, verdreht die Rollen von Erwachsenen und Kindern und verleiht den Kleinen durch Uniform und Schlagstöcke vermeintliche Autorität. Ein ganzes Ensemble von kleinen gerahmten Fotografien zeigt Kinder in allerhand bizarren Outfits. Nicht auszudenken was passiert, wenn jemand auf den Feuerlöscher drückt, der an die Gasmaske eines Kindes angeschlossen ist!

 

Gasmaske und Feuerlöscher – eine bedrohliche Situation auf einem Kinderfoto der anderen Art. (Foto: APZ)

 

 

 

 

In einem extra Teil der Ausstellung wird den Besuchern eine Sitzbank angeboten: hier erzählt Julia Scher in einem vierstündigen (!) Video namens „Discipline Masters“ aus dem Jahr 1988 Kindheitserinnerungen und ihre Lebensgeschichte. Man sollte also etwas Zeit mitbringen für diesen Ausstellungsbesuch…

 

 

 

Esther Schipper: Julia Scher „Wonderland“, bis zum 02.Februar 2019 zu sehen in den Mercatorhöfen, Potsdamer Straße 81E.
Geöffnet Dienstag bis Samstag 11-18 Uhr.

Über Weihnacht und Neujahr geschlossen bis zum 08. Januar 2019.


Tel +49 30 374433133
Fax +49 30 374433134


Website http://www.estherschipper.com

E-Mail office@estherschipper.com 

 

Anastasia Poscharsky-Ziegler

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