Herwarth Walden und seine „Sturm-Galerie“

Der Raum über Herwarth Waldens Sturm-Galerie in der Neuen Nationalgalerie

Bis zum Beginn des Nationalsozialismus war Tiergarten Süd ein Hotspot der zeitgenössischen Kunst. Zu den  wichtigsten Galeristen gehörte Herwarth Walden, der 1912 seine „Sturm-Galerie“ in der Potsdamer Straße 134a eröffnete.
Die Initiative „Jüdisches Leben in Tiergarten Süd“ lud Ende Oktober 2021 zu einem Besuch der Neuen Nationalgalerie ein.

Kurator Dieter Scholz (3.v.l.) spricht über die Biographie von Herwarth Walden

Dr. Dieter Scholz, Kurator für Klassische Moderne an der Neuen Nationalgalerie, führte durch einen Raum, der dem Wirken von Herwarth Walden  gewidmet ist. Walden, 1878 als Georg Lewin geboren, war ein jüdischer Schriftsteller, Musiker, Komponist und Kunstliebhaber. Er hatte einen wesentlichen Anteil daran, dass neue Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts wie Expressionismus, Futurismus, Dadaismus und Neue Sachlichkeit in Deutschland bekannt wurden.
Walden förderte besonders Malerinnen der neuen Strömung. 1910 gründete er die Zeitschrift „Der Sturm“, die bis 1932 bestand. Die Dichterin Else Lasker-Schüler, seine erste Ehefrau, riet ihm, das Pseudonym Herwarth Walden anzunehmen.

Hinweisschild auf den Ersten Deutschen Herbstsalon vor der Potsdamer Str. 180

Ab 1912 betrieb Walden die „Sturm-Galerie“ an der heutigen Neuen Potsdamer Straße. 1913 organisierte er den „Ersten Deutschen Herbstsalon“ im damals gerade neu errichteten Gebäude Potsdamer/Ecke Pallasstraße. Diese Ausstellung war richtungweisend für die künstlerische Avantgarde der Zeit. Ein Schild erinnert an diese Ausstellung, die auf wenig öffentliche Zustimmung stieß, und finanziell für Walden wohl ein Desaster war.
1916 gründete Walden im avantgardistischen Geist seiner Zeitschrift „Der Sturm“ die „Sturm-Kunstschule“ und lud zu Veranstaltungen ein, bei denen Künstler ihre schriftstellerischen Arbeiten vortrugen.

Büste Herwarth Walden von William Wauer

1918 trat Walden der KPD bei. Angesichts des Aufstiegs der nationalsozialistischen Bewegung und voller Begeisterung für die Revolution in Russland ging er Anfang der 1930er Jahre nach Moskau. Dort wurde er als Opfer des stalinistischen Terrors  1941 verhaftet. Am 31. Oktober 1941 starb Herwarth Walden in einem sowjetischen Gefängnis bei Saratow.
Im Laufe des Abends erläuterte Dieter Scholz anhand einzelner Bilder die Bedeutung der von Herwarth Walden geförderten Künstler der Moderne. Der größte Teil der Sammlung von Herwarth Walden gilt heute als verschollen.

 

Friederike

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