Gallery Weekend 2026 (3): Die kleineren Galerien am Rande des Kiezes

Die offizielle Liste des Gallery Weekends umfasst 57 Galerien mit 89 Künstlern, viele davon die Stars der Szene, die mit ihrer mehr oder minder großen Prominenz natürlich die mehr als 25.000 Besucher anziehen, die zum verlängerten Wochenende nach Berlin und in den Kiez kommen. In ihrem Windschatten segeln eine Vielzahl kleiner Galerien und Einzelkünstler in die Kunstzonen der Stadt, und die Potsdamer und ihre angrenzenden Straßen bieten dafür mehr als genug Optionen. Nach den Pop-up-Galerien und Projekträumen, die wir bisher besucht haben, haben wir einige weniger prominente Kiez-Galerien heimgesucht, die ihren Werbeaufwand in Grenzen halten (müssen).

Gruppenausstellungen sind meist kuratierte – von einem Kurator betreute – Ausstellungen. Eine solche war vermutlich die Ausstellung der Galerie e.p.contemporary in der Pohlstraße 71, an deren Schaufenster ich häufig vorbeikomme und die immer Neues zu bieten hat.

Galerie 7: Das Thema der Ausstellung war SQUARE. An diese Vorgabe haben sich die zwölf ausstellenden Künstler:innen mehr oder weniger strikt gehalten, oder sie haben sie originell umgesetzt. Im Großen und Ganzen ist die Ausstellung gelungen und weitaus interessanter als das, was ich bisher gesehen habe. Dazu: kleine Formate, vernünftige Preise. Nebenbei: Auch die Firma Ritter Sport in Waldenbuch (ja, die mit der Schokolade!) sammelt quadratische Kunst und stellt sie aus, aber dort wirkt das wie eine Marotte.

Galerie 8:  HoTo (Potsdamer Straße 74) zeigte eine One-Woman-Ausstellung der Künstlerin Yvonne Andreini unter dem Titel Pescare Perle (nach Perlen fischen) und nimmt damit (u.a.) Bezug auf ein altgriechisches Gemälde in einer Grabanlage, das Grab des Tauchers (Wikipedia). Im Begleittext zur Ausstellung klingt das mystisch: Bewegung in die Tiefe, ein Suchen, die Möglichkeit der Entdeckung. Das zieht sich durch viele Bilder. Die Künstlerin wurde zwar 1985 in Rom geboren, ist aber seit mindestens 20 Jahren – auch – in Berlin beheimatet; hier dominieren ihre italienischen Wurzeln.

Galerie 9: Galerie Born in der Potsdamer Straße 58 zeigt ebenfalls eine Ein-Personen-Ausstellung: BieneFeld, wobei es dem Besucher:in/Betrachter:in überlassen bleibt, den Namen zu erraten: Bienefeld Familienangehörige gibt es viele, Architekten, sogar Galeristen. Eine nicht-binäre Person kann nicht gemeint sein, weil im Text von einer Künstlerin die Rede ist, bleibt „Biene Feld“ als Vor- und Nachname, und darunter lässt sie sich auch finden (Jahrgang 1960, geboren in Greifswald, lebt und arbeitet in Berlin). Bleibt die Künstlerin im Dunkel, ihre Arbeiten nicht: ein hoher Grad an Abstraktion von Beobachtungen aus der Natur zwar, aber man wähnt sich in einem Frühlingsgarten, im Mai während des Gallery Weekends beispielsweise.

Paul Enck

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