Zwei Orte, die auch im vergangenen Jahr bei der Art Week Berlin bespielt wurden, ließen mich diesmal ratlos zurück:
Galerie 5: Nur wenige Meter nach den Mercator-Höfen in der Potsdamer Straße 91 war ich neugierig auf ein Pop-up-Café zwischen farbenfrohen Bildern; die eigentliche Ausstellung war im ersten Stock in der gesamten darüber liegenden und geräumten Wohnung, Altbau mit Stuck vom Feinsten.

Ich bekam ein Preview, aber keinerlei Informationen über die fünf oder sechs Künstler:innen, die hier ausstellten, keine Bildtitel, keine Preisinformationen – die gäbe es erst am nächsten Tag. Das zwingt den Betrachter, sich mit den Bildern selbst auseinander zu setzen: Gefällt mir das? – Jain …

Am nächsten Tag gab es allerdings immer noch keine Information, und auf Nachfrage wusste die junge Dame, die das Café betrieb, keine Rat außer dem, wiederzukommen, sie wolle die Anregung (?) gern weitergeben. Frage außerdem: Steht die Wohnung auch sonst leer, oder wohnt hier jemand, und wo hat diese:r Jemand die Möbel gelassen?

Galerie 6: Im „Vincenz Sala“, früher Schreibwarengeschäft (Potsdamer Straße 97), nach 2009 Sitz der Galerie Klosterfelde, seit 2014 Leerstand und temporär Projektraum von Künstlerkollektiven mit gemeinsamer Ausstellung wie im vergangenen Jahr, wobei diesmal ein Thema/Motto offenbar verlorenging. Die Künstler:innen standen waren am Schaufenster gelistet, aber keinem von ihnen waren Werke zugeordnet, und die titellosen Arbeiten selbst von großer Heterogenität, so dass mein Urteil (mehr „nein“ als „ja“) wenig mehr ist als eine subjektive Momentaufnahme meines Frusts.

Soll vielleicht witzig sein, ist es aber nicht: Ein Angela Merkel-Porträt, eingelassen in einen altmodischen Couchtisch. Als Kommentar zu Merkels Politik („Wir schaffen das“) kommt es reichlich spät, als Kommentar zur heutigen Politik („Zeitenwende“) degradiert es Merkel zu einer „biederen“ Persönlichkeit und schmälert ihren Verdienst – und riecht mir zu sehr nach Ostalgie.

