Geschichte des U-Bahnhofs Potsdamer Platz

Gastbeitrag von Ralf Hausding

Der Autor, Ralf Hausding, ist in Tiergarten nah am Potsdamer Platz aufgewachsen und erinnert sich gern an seine Kindheit in der Nachkriegszeit. Nach dem Abriss seines Wohnhauses hat es ihn nach Spandau verschlagen. Heute bietet er Stadtrundgänge in Tiergarten und weiteren Berliner Bezirken an. 

Wer heute mit der U2 fährt und am Bahnhof Potsdamer Platz ein- oder aussteigt, ahnt nicht, welche lange und wechselvolle Geschichte diese Station hinter sich hat.

Begonnen hat alles am 18. Februar 1902. An diesem Tag fuhr der erste U-Bahnzug vom Stralauer Tor kommend zum Potsdamer Platz. Stralauer Tor war ein Hochbahnhof direkt an der Warschauer Brücke. Die Station wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wiederaufgebaut. Ab 11. März 1902 fuhren auch Züge vom Potsdamer zum Bahnhof Zoologischer Garten (dem zweiten unterirdischen Bahnhof). Am 25. März kam die dritte Strecke Zoologischer Garten – Stralauer Tor dazu. Trennungspunkt der Stecken war das Gleisdreieck, das damals kein Bahnhof war, sondern wirklich ein Gleisdreieck, mit Fahrmöglichkeiten in alle Richtungen.
Betreiber war die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin, eine Tochtergesellschaft der Firma „Siemens & Halske“ und der „Deutschen Bank.“
Der Bahnhof Potsdamer Platz war damit der erste unterirdische Bahnhof im Berliner U-Bahnnetz. Es war jedoch nicht der Bahnhof, den wir heute nutzen. Dieser erste Bahnhof lag etwas weiter zurückgesetzt in Richtung Mendelssohn-Bartholdy-Park und besaß zwei Seitenbahnsteige. Am Bahnsteigende begann eine Ausziehgleis (Abstell- oder Kehrgleis), das im Bogen in Richtung der heutigen Ebertstraße verlief.

Lange bestand dieser Bahnhof nicht. Zur Jahreswende 1905/06 wurde die Station wieder abgerissen, da ein Weiterbau so nicht möglich gewesen wäre. Eine an sich logische Streckenführung durch die Leipziger Straße wurde vom Magistrat und der „Großen Berliner Straßenbahn“ verhindert. Man fürchtete die Konkurrenz, denn Bauherr der ersten U-Bahnstrecken war, wie gesagt, die private Firma „Siemens & Halske.“

Der westliche Zugang zum U-Bahnhof neben dem Vergnügungspalast Haus Vaterland, Anfang der 1930er Jahre. Heute befindet sich dieser Zugang in den Arkaden des Bürogebäudes Potsdamer Platz 10. (Postkarte)

Der neue, zweite Bahnhof liegt nun unter der heutigen Stresemannstraße, der östlichen Bebauung und dem Leipziger Platz. Am 28.September 1907 wurde der neue Bahnhof, nun unter dem Namen „Leipziger Platz“, in Betrieb genommen. Zur selben Zeit wurde der Neubau des „Hotels Fürstenhof“ errichtet. Das Gebäude zog sich von der Stresemannstraße um die Ecke bis in den Leipziger Platz hinein. Das Besondere daran war der Keller des Hotels. Der war zweigeteilt, da die U-Bahnstrecke direkt unterhalb der Straße verläuft, teilt sie das Kellergeschoss. Das Hotel wurde nach Kriegsschäden um 1950 abgerissen, aber auch der Neubau, der heute an dieser Stelle steht, hat wieder den geteilten Keller.

U-Bahn, Potsdamer Platz 1902, U-Bahnhof

Der erste Bahnhof Potsdamer Platz im Jahre 1902 mit einem Zug nach Stralauer Thor (Postkarte)

Im Jahre 1923 erfolgte dann die Umbenennung wieder in „Potsdamer Platz“. Der Bahnhof entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Umsteigepunkt, da unmittelbar neben dem westlichen Ausgang der Potsdamer Fernbahnhof und nur einen kurzen Fußweg entfernt, der Ring- und Vorortbahnhof (ab 1930 S-Bahn) lag. Am anderen Ende, Ausgang Leipziger Platz, kam man direkt vor dem großen Warenhaus Wertheim, dem damals größten Warenhaus des europäischen Kontinents, an das Tageslicht.

Die neue Station, jetzt als Leipziger Platz, mit dem Mittelbahnsteig, der so heute noch vorhanden ist. Postkarte um 1910.

In den 1930er Jahren fuhren die Züge dieser Strecke von Pankow (heute Vinetastraße) oder Alexanderplatz nach Krumme Lanke, Ruhleben oder Wilhelmplatz (abgerissen, entspricht heute U7/ Richard-Wagner-Platz).

Der Eingang zum U-Bahnsteig in Richtung Zoologischer Garten und Warschauer Brücke. Geschmückt zur Eröffnung. Dahinter das Empfangsgebäude des Potsdamer Fernbahnhofs. (Postkarte)

Bis zum 25. April 1945 hielten noch Züge im Bahnhof, während Berlin schon unter dem Beschuss der Roten Armee lag. Bereits am 30. Juli 1945 fuhr wieder eine U-Bahn am Potsdamer Platz.

In den kommenden Jahren entwickelte sich der Potsdamer Platz zum Brennpunkt. Hier stießen der sowjetische, britische und amerikanische Sektor aneinander. Ein guter Platz für den Schwarzmarkt Ende der 1940er Jahre, schnell konnte man bei Kontrollen in einen anderen Bezirk verschwinden.

Unterirdisch lief alles weiter, trotz Kontrollen der Ost-Berliner Grenzposten. Bis zum 13. August 1961, dem Tag des Mauerbaus.
Die Züge aus Pankow endeten nun an der Station Ernst-Thälmann-Platz (heute Anton-Wilhelm-Amo-Straße), die Züge aus Krumme Lanke in Gleisdreieck. Doch der Bahnhof Potsdamer Platz sah immer noch Züge. Es erfolgten weiter Leerfahrten zum Kehren und Abstellen von Zügen der BVG-Ost. Am westlichen Ende des Bahnhofs befindet sich eine Kehranlage zum Abstellen von Zügen, z.B. in der Betriebspause.

Im Jahre 1972 wurde es dann sehr seltsam. Das Gelände des ehemaligen Potsdamer Fernbahnhofs mit der Bebauung bis an die Linkstraße bzw. Köthener Straße wurde vom West-Berliner Senat übernommen. Nun lag die Kehranlage, die weiterhin von den Ost-Berliner Zügen genutzt wurde, im Westteil der Stadt.

So blieb es bis zum November 1989. Die Mauer fiel und schnell stand fest, dass die Strecke wieder in ganzer Länge in Betrieb genommen werden muss. Die Arbeiten zogen sich bis zum 13. November 1993 hin, dann fuhren nach über 32 Jahren wieder durchgehende Züge, die auf dem Bahnhof Potsdamer Platz hielten.

Redaktion

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