Erstes Bürger*innentreffen fordert Freizeitoase statt Partymeile

“Seit 6 Jahren nehmen Vandalismus und die Zerstörung in unserem Park zu! Ich lebe seit 23 Jahren in der Dennewitzstrasse und habe die Nase voll! Es muss endlich etwas unternommen werden!“ Unter Applaus eröffnete Iniatorin Beate K. Seiferth das erste Bürger*innentreffen zur Sache.

 

Gleisdreieckpark im Juni 2020 an einem Samstagmorgen …(Foto: L. Kohlmann)

Über 30 Personen trafen sich am Donnerstagabend im Café Eule zum Thema „Schluss mit Ballermann am Gleisdreieckpark“. Die Veranstaltung dauerte mit ihrem intensiven und breitgefächerten Gesprächsaustausch fast zwei Stunden. Die Stimmung war entspannt und sachlich, dennoch ließen die Redebeiträge den Druck der Situation erkennen, die seit Jahren besteht und durch die COVID-19 Krise eine extrem belastende Verstärkung erhalten hat. Beate K. Seiferth informierte darüber, dass sie bereits eine Anfrage vom Sender rbb erhalten hat, doch sie möchte der Initiative noch Zeit lassen, bis etwas vorzuweisen ist.

Weiterhin gilt: Unterschriften sammeln!

Das zahlenmäßige Ergebnis der laufenden Unterschriftenaktion liegt (analog und digital bei Change.org) bei über 500. Das erklärte Ziel von Beate K. Seiferth liegt bei 5000, denn die geschätzte Zahl der betroffenen Anwohner liegt mindestens doppelt so hoch. Also heißt es weiter sammeln, auch in den zuführenden Straßen zum Park. Das nächste Treffen im Café Eule soll Ende Juli stattfinden. Konstruktive Ideen sind jederzeit willkommen. MitteNdran wird hier auf den Termin hinweisen.

Bis dahin werden einige Fragen zum dreiteiligen Park mit seinem West- und Ostteil und dem Flaschenhals geklärt: z.B. das Kompetenzgerangel der drei am Park beteiligten Bezirke Kreuzberg-Friedrichshain, Mitte und Tempelhof-Schöneberg. Alexey Yusupov, sowohl Anwohner der Flottwellstrasse als auch frisch gewählter Stv. Vorsitzender der SPD-Abteilung 5 Tiergarten-Süd, wird in Kürze eine moderierte Online-Veranstaltung zum Thema anbieten, für die Mitbürger*innen, die wegen COVID-19 oder aus anderen Gründen (Behinderung, Pflege, Kleinkinder) an die Wohnung gebunden sind. Yusupov plädiert auch für die Funktion eines Nachtbürgermeisters aus der Clubszene, wie ihn andere deutsche Städte bereits eingeführt haben, um Kontakt zu den Partygängern zu finden und einen Dialog anzustrengen.

Die SPD-Abteilung 5 Tiergarten Süd hatte sich in einer Sitzung 2 Tage zuvor intensiv mit den extremen Zuständen im Park befasst und will die Initiative beständig begleiten und unterstützen. Thomas Isenberg (SPD, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses) schreibt sich das Problem auf die Fahne und will ständig über die Entwicklungen informiert sein. Der Kontakt zu Stv. Bezirksbürgermeister Ephraim Gothe steht.

 

Zum Treffen gekommen waren Anwohner aus dem Möckernkiez, der Wartenburg -, der Kurfürsten- , der Flottwell- und der Dennewitzstraße-, sowie der Bülow- und der Bautzener Straße. Direkt von einer Sitzung des Nutzer*innenparkbeirats (bei dem keine Gäste erwünscht sind!) waren Edelgard Achilles und Gabriele Hulitschke anwesend. Sie teilten mit, dass die im April 2020 wegen der Pandemie entfallenen Neuwahlen in absehbarer Zeit nachgeholt werden. Auch Mathias Bauer verfolgte die Diskussion für seinen gleisdreieckblog.

Als großes Problem wurde deutlich, dass die Bürger*innen nicht wissen, wer da nachts zwischen 1 Uhr und 5 Uhr sein Unwesen treibt: Sind es wirklich nur Jugendliche? Sind es tatsächlich  die Besucher der jetzt wegen Corona geschlossenen Clubs und Discotheken? Ist es eine homogene oder eine heterogene Klientel? Entstehen die Parties spontan oder geplant?

 

Als Fazit des ersten Treffens kann jedenfalls gezogen werden:

– die Initiative soll sich nicht gegen Jugendliche richten, sondern die Hand ausstrecken;

– die Anwohner setzen sich auch ganz bewusst für den Schutz von Kindern, der Flora und Fauna ein;

– niemand braucht neue Regeln, die bestehenden müssen durchgesetzt werden;

– eine Verbesserung der Lage ist nur mit der Politik und dem Land Berlin machbar;

– es soll ein Interessenausgleich zwischen Anwohnern und Gästen hergestellt werden;

– die Vorschläge auf Glasflaschen- und Alkoholverbot fanden keine ungeteilte Zustimmung;

– der Vorschlag, den Partygängern Ersatzflächen zum Feiern anzubieten, stieß auf Widerspruch. Ferner mangelte es an geeigneten Alternativen;

– die „Designmülltonnen“ im Park haben ein zu geringes Fassungsvermögen und fördern daher die Vermüllung und die Rattenplage;

– über lokale Radiosender soll Kontakt zu den Partygängern gesucht werden;

– es soll in absehbarer Zeit ein Runder Tisch mit allen Beteiligten gebildet werden;

– es besteht Einigkeit darüber, dass sich die Probleme des Gleisdreieckparks nicht bei Besserung oder Beendigung der Pandemie von selbst lösen werden.

Anastasia Poscharsky-Ziegler

11 Kommentare

  1. Liebe Leute, es stimmt nicht, dass keine Gäste zum Parkbeirat kommen sollen. Ganz im Gegenteil. Ihr seid herzlich willkommen. Grüße, Hannes Koch, gewählter Bürger*innenvertreter, 0179-5162735

    • Das stimmt leider nicht es wurde offiziell bei Grün Berlin bei den Park Manager angefragt und diese haben das abgelehnt

  2. Es wurde offiziell bei Grün Berlin angefragt ob Leute zum Zum Beirat dazu stoßen dürfen dies wurde abgelehnt
    Er geehrter Herr Koch Bitte fragen Sie doch auch noch mal bei grün Berlin nach warum abgelehnt wurde

  3. Die Tagesordnung war sehr voll – erstes persönliches Beiratstreffen nach Corona. Für die nächste Sitzung Anfang Oktober nach der Neuwahl sollten/t Ihr / Sie eingeladen werden.

  4. Die Parties sind definitiv abgesprochen. Ich traf mich an einem Samstagabend um 20.00 am Torhaus und eine sehr große Gruppe von etwa 70 Leuten bewegte sich mit großer Energie geschlossen in eine Richtung, ca. weitere 30 näherten sich aus dem Hintergrund.

  5. Gestern erreichte mich die offizielle Einladung von Grün Berlin zur nächsten Sitzung im Parkbeirat im Oktober.

  6. keiner ist gezwungen am park zu wohnen, wenn den Menschen das Parkleben nicht gefällt können sie ja nach Brandenburg ziehen!
    Wer sich über das Geräusch von menschen aufregt sollte erstmal die ganzen lärmenden Autos aus der Stadt rausschmeissen

    • Hallo Tom- und was sagst Du den Anwohnern die hier schon wohnen bevor der Park entstanden ist?
      Dein Kommentar zeigt doch genau die Quelle der Probleme auf- die „Ich Mentalität“. ICH möchte jetzt Spaß haben und das ohne Rücksicht auf Anwohner UND Natur! Das soll akzeptiert werden und Deine Lösung ist ein Umzug? Fällt mir schwer diesen Kommentar überhaupt ernst zu nehmen 🥴!
      Natürlich könnte man die Wünsche der Anwohner nach Ruhe, Respekt, Anstand und Rücksichtnahme ebenfalls als „ICH Mentalität“ abtun- nur entsprechen diese eben einfach den gesellschaftlichen Regeln die es nun mal gibt! Ob sie einem gefallen oder nicht.

  7. Ziel der ganzen Aktionen soll doch sein, einen tragbaren Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Anwohner, der Familien mit Kindern, der jungen Leute und DES PARKS (einschließlich der Bäume, Pflanzen, Kaninchen und Füchse) zu finden. Denn wenn es so weiter geht, wird der Park auf Dauer ungenießbar. Morgens muss man mit starrem Blick auf den Rasen die vielen Glasscherben umschiffen, wenn mensch zum Sport möchte. Grün Berlin schafft es kaum noch, den Müll und die Scherben zu entsorgen und das ist auch überhaupt nicht deren Aufgabe !!! Eine nächtliche, niederschwellige Mediation ohne Polizei, die auch die strammsten Feiermeier überzeugen kann, Ihre Flaschen und Chipstüten mitzunehmen, wäre eine gute Option, die ständige Polizeipräsenz enthält doch viel Provokationspotential.

  8. Hallo Tom, wenn du Lust hast, kannst du gern ein paar Nächte bei uns im Gästezimmer schlafen! Wir sind alle gespannt, ob du danach immer noch Bock auf „das Parkleben“ hast, wenn nachts um 01:30 Uhr die NBA Finals am Basketballplatz ausgetragen werden, unsere Tochter davon aufwacht und 2 Stunden schreit und du sie bis 3:30 Uhr zu beruhigen versuchst. Wenn du dann völlig erschöpft wieder eingeschlafen bist, wirst du wahrscheinlich gegen 4:00 Uhr von zugedröhnt schreienden Typen direkt unterhalb deines Fensters wach, die sich bis mindestens 5:00 lautstark streiten und ggf. prügeln. Ruhe ist erst, wenn du dich dann völlig müde aufraffst und erneut bei der Polizei anrufst (achja, man Basketballplatz ist nur Ruhe, weil du irgendwann die Polizei gerufen hast. Nicht, weil du mitten in der Nacht runtergegangen bist und freundlich um Rücksicht auf die Anwohner gebeten hast. Nein, das machst du schon lange nicht mehr seit dich die Störer (so der offizielle polizei- und ordnungsrechtliche Terminus) ausgelacht und bedroht haben). Wenn dann endlich gegen 6:00 die letzte Einsatzhundertschaft der Polizei abgefahren ist, nachdem die behelmten Kräfte direkt unterhalb deines Schlafzimmerfensters die Streitenden getrennt und sich vor Flaschenwürfen kaum retten konnten, sinkst du wieder in den Schlaf – bis dann um 7:00 die Werksirene auf der Baustelle gegenüber ertönt und der Tag für dich startet. Ich habe dir derweil schon einen Kaffee gekocht, denn meine Tochter ist bereits seit 5 Uhr wach. Also, mein Angebot steht: vielleicht hast du Lust, deinen nächsten Urlaub bei uns zu verbringen. Kost und Logie frei. Vielleicht willst du aber auch lieber nach Brandenburg, weil du vielleicht doch keinen Bock auf „das Parkleben“ hast. Vielleicht.

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