Die Straßen im Kiez (32): Das Ende
der Straßen, aber nicht das Ende
der Geschichten

Gastbeitrag von Prof. Dr. Paul Enck

Bild 1: Ein altes Straßenschild der Demminer Straße im Hinterhaus des Gebäudes Potsdamer Straße 60, der Verwaltung der DeGeWo (eigene Aufnahme vom Juni 2021

Wenn Sie dieses Straßenschild (Bild 1) sehen, haben Sie sich entweder verlaufen – die Demminer Straße ist in Moabit – oder Sie sind in den Hinterhof des Degewo-Verwaltungsgebäudes an der Potsdamer Straße 60 geraten, wo dieses Foto aufgenommen wurde. Aber glauben Sie nicht (wie ich, für einen kurzen Moment zumindest), es gäbe eine weitere „eingezogene“, alte Straße im Kiez – hier hatte jemand möglicherweise Sehnsucht nach der Straße seiner Kindheit.
Auf Anfrage teilte die Presseabteilung der Degewo am 14. Juni 2021 mit: „Auf unserem Unternehmensgelände haben wir alte Berliner Straßenlaternen und Straßenschilder, die einst ausrangiert wurden, aufgestellt, um so einen Bezug zu unseren Quartieren herzustellen, in denen wir größere Wohnungsbestände verwalten, wie etwa an der Demminer Straße im Brunnenviertel“.

Jedenfalls markiert diese nicht-vorhandene Straße im Kiez, dass mit der heutigen Folge von „Straßen im Kiez“ das Ende der Serie erreicht ist – auch wenn natürlich noch lange nicht alle Geschichten erzählt wurden.

Zweiunddreißig Geschichten sind es mit der heutigen Folge geworden, und damit man sie nicht alle einzeln im Archiv von mitteNdran suchen muss, wurden sie in einem Buch zusammengefasst (1), das gerade beim Hayit-Verlag https://www.hayit.de/buecher/luetzow-viertel in Köln herausgegeben wurde (Bild 2),

der auch mein erstes Buch (2) veröffentlicht hat. Es ist ein schönes Buch geworden, mit vielen (mehr als 100) Bildern, von denen viele hier erstmals veröffentlicht werden, und zu einem günstigen Preis (19.90€ für das gedruckte Buch, 14,99€ für das E-Book), gemessen daran, dass in den vergangenen Monaten die Papierpreise (wie viele andere auch) gestiegen sind. Gegenüber den Fassungen der Geschichten, wie sie in den vergangenen zwei Jahren bei mitteNdran veröffentlicht wurden, sind viele Geschichten erweitert worden, weil das Suchen & Finden von Quellen eigentlich nie aufhört, Geschichten also immer weiter wachsen; und so wie sie erweitert wurden, wurden sie auch korrigiert, wo sich Fehler,

Missverständnisse und Ungenauigkeiten eingeschlichen hatten, für die der Autor die Verantwortung übernimmt und an denen das Redaktionsteam von mitteNdran, allen voran Adda und Bergis Schmidt-Ehry, keinen Anteil hat, ganz im Gegenteil: Ihre aufmerksame redaktionelle Arbeit hat (noch mehr) Fehler verhindert. Dafür auch an dieser Stelle meinen herzlichen Dank. Mein Dank auch an meine Frau und Gefährtin bei dieser Kiezerkundung, Dr. Sibylle Klosterhalfen: sie hat alle Geschichten in ihrer Entstehung – mehrfach – kritisch begleitet und ist daher nicht zu Unrecht Ko-Autorin des entstandenen Buches (s. Bild 2).

Wie geht es nun weiter? Natürlich gibt es für jede der Straßen im Kiez mehr als eine Geschichte zu erzählen, haben dort mehr als nur die wenigen hier berichteten Persönlichkeiten gelebt, und zu anderen Zeiten als in den berichteten Perioden. Aber eine Weiterführung der Serie würde auch einen nicht unbedeutenden Mangel der bisherigen Geschichten fortsetzen, den der Zeitsprünge vorwärts und rückwärts, vom 19. Jahrhundert ins 21. Jahrhundert und zurück. Die neuen Geschichten, die schon begonnen wurden, folgen daher einer anderen Logik: In den nächsten Monaten besuchen wir hin und wieder die eine oder andere Straße erneut, aber sie erzählen von Menschen, Institutionen und Strukturen im Kiez – im gleichen Zeitraum – die in mehreren Straßen spielen (können), und versuchen dabei, eine Chronologie einzuhalten. Angefangen haben wir bereits mit „Jüdische  Geschichte in Tiergarten-Süd“, und in lockerer Folge werden in den nächsten Monaten Geschichten zur „Medizingeschichte im Lützow-Viertel“ (Bild 3), zu „Handel & Gewerbe“ (Bild 4), „Kunst & Kultur“ und „Erziehung & Wissenschaft“ in jeweils fünf bis sechs Kapiteln erzählt, die jeweils den Zeitraum von etwa 1800 bis 1950 abdecken werden. Diese Geschichten vertiefen auf diese Weise die „Kurzgeschichten“ einer anderen Serie in mitteNdran, den „Spaziergänge mit Lia Hiltz und Paul Enck“, die es auch weiterhin geben wird.

Bild 3: Entwurf einer Kirche für die Elisabeth-Klinik in der Lützowstraße vom Baumeister und Direktor der Berliner Bauakademie Friedrich August Stüler (1800-1864). Die dann tatsächlich 1867 eingeweihte Kapelle war wesentlich kleiner und bescheidener (Bildquelle: Von der Stiftung Stadtmuseum Berlin freundlicher Genehmigung zur Verfügung gestellt)

Und wie bisher werden diese Geschichten zum einem erzählen, was schon vorher von Anderen in anderer Form erzählt wurde, damit es nicht in Vergessenheit gerät; zum anderen werden auch hier – über Recherchen in den vielen in Berlin zur Verfügung stehenden Archiven und Bibliotheken – den Fakten neue Aspekte abgerungen, die bislang nicht oder nur wenig beachtet wurden.

Bild 4: Briefkopf von 1842 der Druckerei Hänel in der Lützowstraße (1837 bis 1895) (Bildquelle: Deutsche Nationalbibliothek Leipzig, Archiv zur Buchgeschichte, Signatur: Bö-GR/B/2024, gemeinfrei)

 

Literatur

  1. Paul Enck, Sibylle Klosterhalfen. Das Lützow-Viertel. Geschichte und Geschichten aus dem Berliner Lützow-Kiez. Hayit Verlag Köln 2022.
  2. Paul Enck, Gunther Mai, Michael Schemann. Die Familie Lüderitz. Geschichte und Geschichten aus drei Jahrhunderten. Hayit Verlag Köln 2021.

Friederike

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