Nicht witzig!

Nachdem eine Reihe von namhaften Künstler*innen sich mit einer „Scherz-Kampagne“ willentlich oder unwillentlich vor den Karren von Querdenker*innen und Rechtsradikalen haben spannen lassen, ist die „Scherz-Kampagne“ jetzt auch in unseren Briefkästen gelandet. Viele haben sich sicher wie ich gefragt, wieso sie Post von unserer Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrem Briefkasten gefunden haben.

Und zugegeben, die Neugier ist groß und ich habe losgelegt zu lesen….

Hätte ich mir den Briefkopf gleich genauer angesehen, hätte ich erkannt, dass es sich um einen Fake handelt, denn AKK leitet unser Verteidigungsministerium und nicht ein Bundeskriegsministerium. Allerdings ist in der Adresszeile das Bundesministerium der Verteidigung korrekt aufgeführt. Das Schreiben ist aufgemacht wie ein Deep-Fake. Aber da die Urheber*innen vermutlich nicht zu hart bestraft werden wollen, haben sie damit ja „bewiesen“, dass es sich um einen „Scherz“ handelt, der wohl von der künstlerischen Freiheit abgedeckt wird.

Ich halte das für einen schlechten Scherz!

…und die Aussage, „dass es nicht strafbar ist, Werbevitrinen mit Rohrsteckschlüsseln aus dem Baumarkt zu öffnen und eigene Poster hineinzuhängen“ für irreführend, wenn nicht für die Aufforderung zu einer Straftat.

Und wie kommt diese Wurfsendung eigentlich in meinen Briefkasten? Billig kann die Aktion auch nicht sein, dazu ist sie zu professionell gemacht. Wer finanziert das eigentlich?

„Mehr Informationen zur Initiative tob21 finden Sie auf der Internetpräsenz  tob.noblogs.org“ – da warnt mich mein Computer: Diese Website gibt sich möglicherweise als www.tob.noblogs.org aus, um deine persönlichen oder finanziellen Informationen zu stehlen. Da lass ich doch lieber mal die Finger von.

Dafür finde ich bei de.indymedia.org  – einer bekanntlich links-extremen Adresse – ein entsprechendes Pamphlet gegen die Bundeswehr. „Soldaten = Macker und Sexisten“.

Nun gehöre ich seit vielen Jahren der IPPNW an (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs), aber diese Art von Verunglimpfung von Instanzen unseres demokratischen Rechtstaates und von Menschen , die ihre Pflicht zu unserem Schutz erfüllen, kann ich nicht gut heißen. Witzig ist das sicher nicht!

Die Extremisten von Rechts und Links haben schon einmal eine deutsche Demokratie zugrunde gerichtet. Nie wieder!

 

11 Kommentare

  1. Und einen ganz besonderen Gag bitte beachten: das Maschinengewehr in den Fängen des Adlers im Briefkopf.

  2. Ich hatte das Schreiben auch im Briefkasten und hab mich sehr gewundert.

    Die Webadresse heißt übrigens tob21.noblogs.org und nicht wie angegeben tob.noblogs.

    Und ich hab mal gegoogelt. Scheint wirklich so zu sein, dass man gegen Vandalismus an Werbevitrinen nicht viel machen kann:
    https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/hausdurchsuchung-nach-adbusting-jurastudentin-verfassungsbeschwerde-strafbar-diebstahl-sachbeschdigung-urheberrechtsverletzung/

    Verkehrte Welt. Wo kommen wir hin, wenn das Eigentum nicht geschützt wird?

    Gibts schon eine Richtigstellung aus dem Verteidigungsministerium? Nicht, dass das noch wer für echt hält und sich ungewollt Ärger einhandelt?

  3. Ich hatte das Ding auch im Briefkasten und konnte es nicht fassen… Die können sich mittlerweile echt alles erlauben. Meiner Nachbarin musste ich auch noch erklären, dass es sich hierbei um einen Fake handelt. Das zeigt, wie gefährlich diese Zettel sind. Ich gebe dir also Recht, dass es sich hier keineswegs um einen Scherz handelt.

    Schön, dass das LKA bereits informiert wurde. Die Situation mit meiner Nachbarin bereitet mir allerdings Sorge, dass hier effektiv Fehlinformationen in unserer Nachbarschaft verbreitet wurden. MitteNdran liest ja (leider) auch nicht jeder im Kiez. Das ganze sollte also unbedingt vom Verteidigungsministerium und der CDU richtig gestellt werden.

    Danke, dass ihr mit diesem Post hier schonmal einen ersten Schritt gegen die gezielte Desinformation macht.

  4. Liebes MitteNdrann team,
    ich wohne in einer WG in der Kufürstenstr und ich hatte auch diesen Brief im Briefkasten!
    Ich muss sagen ich hab auch nicht gleich gemerkt, dass es ein Fake war und war auch erstmal verwirrt. Aber meine Freunde (FG) und ich haben sehr viel gelacht als wir den Briefkopf mit „Kiegsministerium“ entdeckt haben und wir haben uns gefreut, dass da Menschen auf Klimawandel und Fluchtursachen aufmerksam machen! Das sind schon wichtige Themen, die von unserer Politik leider nicht ernst genommen werden.
    Ich lese auch gerne euer Kiezmagazin aber ich muss hier wiedersprechen:
    ich finde es ist ein guter Scherz.
    Bonne Journée

  5. Hallo,
    Ich hatte auch den Brief in meinem Briefkasten und ich war erstmal etwas verwirrt aber habe dann sehr schnell gemerkt dass es ein Fake war. Ich wohne in der Nähe vom Nolli und studiere IT und Kommunikationswissenschaften. Ich habe ein sehr gutes Antivirus Programm und bei mir funktioniert die Adresse https://tob21.noblogs.org ohne Warnung.
    Aber ich glaube auch, dass da radikalos am Werke waren. Es stimmt zwar, dass Klimawandel ein Problem ist, aber wo kommen wir denn hin, wenn so Anarchisten einfach so die Macht übernehmen würden? Ich habe mich auch gefragt wie sie das alles finanzieren und habe auch ein bisschen recherchiert aber irgentwie kann ich diese linksextremistische de.indymedia.org Seite nicht finden.
    Dafür habe ich das gefunden:
    https://dfg-vk.de/wp-content/uploads/2021/02/2020-03-02_PM_Geheimdienst-vs-Adbusting.pdf
    Am ende steht da was von finanzierung von „Aktivist*innen“, aber dass sie die Gelder für Gerichtstermine brauchen oder so. Naja ich hoffe das LKA findet diese Leute, dann müssen sie ihre Gelder wirklich für Strafen verwenden statt den ganzen bezirk zu verwirren.
    Danke an die Redaktion 🙂

  6. Hahaha 😀
    Ich finde diesen Scherz super und gut gelungen!
    Kunstfreiheit geht eindeutig vor.
    Lg

  7. Huch, gerade habe ich das Schreiben auch gefunden.
    Ich versteh die Aufregung nicht. Mit dem Gewehr im Logo ganz klar als Satire zu erkennen. Und der eigentliche Witz ist doch, dass die Nazichatgruppen aus der Bundeswehr von Uschis Beratern den im Schreiben überspitzten Slogan „Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst“ als Leitspruch vorgesetzt bekommen haben. Weil die Bundis so viel Liberalität selbst nicht gut finden, steht oben am Ufer doch auch immer noch das „Wir. Dienen. Deutschland.“ auf dem Rasen…

  8. und das lesen wir im Tagesspiegel Berlin Mitte:
    1.“Die Polizei versteht da keinen Spaß. Ein Bürger hat Anzeige erstattet, heißt es auf Nachfrage. Daraufhin habe man die Schreiben zusammen mit in Charlottenburg aufgetauchten Plakaten „zur strafrechtlichen Würdigung“ an die Staatsanwaltschaft Berlin gesandt. Es bestehe der Verdacht der Störpropaganda gegen die Bundeswehr. Ein Blick ins Strafgesetzbuch erklärt, was gemeint ist: Wer wider besseres Wissen falsche oder grob entstellte Tatsachenbehauptungen aufstellt, deren Verbreitung die Tätigkeit der Bundeswehr stören kann, muss mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Ob das hier zutrifft, ist noch nicht geklärt.“
    2. „Das Verteidigungsministerium sieht die Sache weniger dramatisch. „Bei den Postwurfsendungen handelt es sich um eine Kunstaktion, welche man offensichtlich dem Formenkreis der Satire zuordnen kann. Ich bitte um Verständnis, dass wir diese nicht kommentieren“, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage des Tagesspiegels.“

Schreibe einen Kommentar zu Benoit Lecompte Antworten abbrechen