14 Jüdische Richter schon im Frühjahr 1933 außer Dienst gestellt

Reinhold Gerken, ehem. Präsident des Arbeitsgerichts Berlin bei  seinem Vortrag am 17. Juni in der Villa Lützow, der online übertragen wurde (Screenshot APZ)

Reinhold Gerken, ehemaliger Gerichtspräsident des Arbeitsgerichts Berlin, stand am 17. Juni 2021 im Fokus seines Vortrags mit Podiumsdiskussion zum Thema „Jüdische Richter an den Berliner Arbeitsgerichten, ihre Bedeutung für das deutsche Arbeits- und Sozialrecht und ihre Verfolgung durch die Nazis“. Die Veranstaltung war Teil der Vortragsreihe des Projektes „Jüdisches Leben und Widerstand in Tiergarten Süd“ in Kooperation mit der Kiezzeitung mitteNdran e.V., den „Stolpersteinen“ in Berlin Alt-Mitte und Wedding, so wie der „Quartiersentwicklung Tiergarten Süd – seniorenfreundlicher Stadtteil“, und fand mit 16 Teilnehmern im Saal des Kiezzentrums Villa Lützow statt und wurde zudem gestreamt. Gabriele Hulitschke moderierte den Abend.

Reinhold Gerken erinnerte in seinem erschütternden und faktenreichen Vortrag an die Vorgänge am Berliner Arbeitsgericht im Frühjahr 1933, die zur Entlassung von 14 jüdischen Berufsrichtern führten, von denen niemand einen aktiven religiösen Hintergrund besaß. Gerken hat sich seit 1987 jahrzehntelang persönlich mit den Schicksalen der exmittierten Richtern und ihrer Familien befasst.

Für diejenigen, die in Konzentrationslagern ums Leben gebracht wurden, sind in der Zwischenzeit Stolpersteine gesetzt worden. Zwei der Betroffenen machten

Blick in den Saal der Villa Lützow. (Foto: Yusupov)

Karrieren im Ausland und begründeten in Grossbritannien und in den USA die dortige Arbeitsgerichtsbarkeit, einer starb bei einem Luftangriff, einer flüchtete nach Shanghai, ein anderer nach Paris und wurde dann dort nach dem Einmarsch der Deutschen ins KZ Auschwitz deportiert, wo er umkam.

 

Gerken gelang es, die jüdischen Richter des Arbeitsgerichts der Vergessenheit zu entreißen und ihr Schicksal der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Im Rückblick auf sein Berufsleben sagte er: „All die Urteile, die ich als Arbeitsrichter gefällt habe, sind Schall und Rauch – wirklich befriedigt haben mich dagegen meine Recherchen zu den jüdischen Richtern, und die Kontakte und Begegnungen mit deren Witwen und Nachkommen.“

Seit November 2012 erinnert im Eingangsbereich des Arbeitsgerichtes am Magdeburger Platz eine Gedenktafel namentlich an die Betroffenen. Im Jahr 2013 erschien von Hans Bergemann das Buch „Jüdische Richter in der Berliner Arbeitsgerichtbarkeit 1933“ zum Thema (siehe Bild), dass bis heute allen neuen Richtern des Arbeitsgerichts bei Amtsantritt überreicht wird.

Dr. Heinrich-Wilhelm Wörmann, Dozent für Politische Bildung und Historiker mit dem Schwerpunkt „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, eröffnete die Diskussion, die von großer Betroffenheit bestimmt war und am Ende den Fokus auf unsere jüdischen Mitbürger aus der ehemaligen Sowjetunion lenkte.

 

 

 

 

 

 

 

Anastasia Poscharsky-Ziegler

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