Berühren erlaubt: die Installation von Tomás Saraceno

In der Rooftopgalerie von Esther Schipper hängen derzeit keine Bilder an der Wand. Vielmehr scheinen  sich monströs große Spinnen der weitläufigen Galerieräume bemächtigt zu haben, um dort ein feines und kunstvolles Webwerk an Netzen und Strukturen zu hinterlassen, mit denen sich sogar Klänge erschaffen lassen.

Der Besucher (der im Aufzug die 2 wählen sollte um in das Dachgeschoss zu gelangen) darf sich, nach dem Ablegen von Mantel, Tasche und Schuhen, vorsichtig in dieses faszinierende Universum begeben, die Schnüre berühren, streichen, zupfen – und hören, was dann erklingt. So wird der Besucher zum aktiven Forscher und Musiker in einer dreidimensionalen Welt. Eine ungewohnte Rolle für den meist stillen und körperlich passiven Galeriebesucher, meist als Betrachter zweidimensionaler Bilder, die unter dem ehernen Museumsgesetz „Nicht berühren!“ stehen.

In einem Zeitraum von etwa drei Wochen ließ der argentinische Künstler Tomás Saraceno sein Werk „Algo-r(h)i(y)thms in der Galerie durch Mitarbeiter installieren.

Von den 1-2,5 mm dünnen Schnüren wurden 3,4 km in komplexen Clustern verbraucht. Wie bei einer Spinne, die im Wesentlichen blind ist, bedeuten die Netzschnüre eine Erweiterung ihrer Sinne, da sie durch die Erschütterungen Informationen erhält.

Tomás Saraceno (1973 geboren in Tucuman, Argentinien) erklärt seine Installation so: „Organismen sind keine atomistischen Individuen, sondern hybride Assemblagen. Jeder Körper ist eine `verschachtelte Ökologie´, die auf komplexe Weise mit anderen verbunden ist. Wenn wir so denken, könnten wir unsere Verbundenheit mit anderen Wesen bemerken: wie wir über Artengrenzen hinweg zusammenarbeiten können und wie wir gemeinsam auf einem gemeinsamen Planeten leben und gedeihen können.“

 

Ort: Galerie Esther Schipper, Potsdamer Straße 81 E (7. Stock), in den Mercatorhöfen

Laufzeit der Ausstellung: bis 21. Dezember 2019

Website: http://www.esterschipper.com

Fon: +40 30 374 433 133

Öffnungszeiten der Galerie:  Di – Sa 11-18 Uhr

Ein Dank gilt der Galeriemitarbeiterin Frau Kim, die sich als Demonstrationsmodell zur Verfügung stellte.

 

 

 

Anastasia Poscharsky-Ziegler

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