Vielleicht nicht Alles, aber schon eine ganze Menge erfährt man über die Geschichte des Möbelhauses Hübner in dem Buch des ehemaligen Chefs des Hauses, dem 86-jährigen Achim Türklitz. Den Titel des Buches, „Ich soll Sie schön grüßen„, kennen Alt-Berliner:innen als Werbeslogan des Möbelgeschäftes aus den frühen Nachkriegsjahren.

Das Buch reflektiert das Leben und die Erfahrung von Achim Türklitz entlang seiner eigenen Lebensstationen und geht nur kurz auf die Vorgeschichte der beiden Möbeldynastien Hübner aus Berlin und Türklitz aus Brandenburg (Havel) ein, die mit der Ehe seines Vaters Arno Türklitz (1911-1993) mit Gertrud Hübner (1914-2017) im Jahr 1935 zusammenfanden (aber die Firmen nie fusionierten). Insofern ist dies keine Firmengeschichte, sondern eine Sammlung persönlicher Erinnerungen, chronologisch sortiert, in einzelnen Episoden, die locker miteinander verbunden sind.
Wir hatten an dieser Stelle mehrfach über Möbel Hübner und seine Geschichte berichtet (mittendran vom 29. Februar 2024, 12. April 2024 und 30. Dezember 2025), so dass wir uns die Frage gestellt haben, was das Buch uns – und anderen – Neues bieten kann; es war Einiges dabei.
Am meisten überrascht haben die Informationen über die Vermittlung des DDR-Außenhandels in Sachen Möbel, die Achim Türklitz in einer eigenen Firma – nicht über Möbel Hübner, die zu diesem Zeitpunkt unter der Ägide seiner beiden Eltern stand – abwickelte. Exporte von in der DDR produzierten Möbeln in großem Stil in die Schweiz und nach Japan vermittelte Türklitz , teilweise in komplexen Dreieckgeschäften: Die Pharma-Firma Ciba-Geigy in Basel lieferte Medikamente in die DDR, und diese exportierte Möbel in die Schweiz zur Bezahlung in frei konvertierbarer D-Mark und umging so die Ausfuhr von knappen Devisen. Nebenbei wurden privilegierte DDR-Reisekader mit attraktiven und lukrativen Ausflügen in die Schweiz versorgt.
Neben solchen geschäftlichen „Schachzügen“ (tausend Grenzübertritte in einer Zeit, als der Osthandel im Westen noch nicht gern gesehen war und Berlinerinnen und Berliner z.B. die Nutzung der S-Bahn mieden, da sie der DDR keine Westmark gönnten) bietet das Buch einige Hinweise, die überraschen, um nicht zu sagen irritieren sollten.
Dazu gehört die Information, dass Achim Türklitz in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von einer „Erzieherin“ – einer nach wie vor nationalsozialistisch gesinnten Turnlehrerin – körperlich und seelisch gezüchtigt und gequält worden sei, ebenso wie seine Schwester, und dass dies durchaus im Einverständnis mit den wenig präsenten, konservativen Eltern geschah. Wenn man darüber nachdenkt, bekommt das insgesamt eher distanziert scheinende Verhältnis zu den Eltern, das man dem Buch entnimmt, eine andere Nuance. Achim war das weniger geliebte Kind im Vergleich zu seiner Schwester; erst als diese starb (1972 mit 34 Jahren) und er mit seiner zweiten Ehefrau (die erste hatten die Eltern abgelehnt und waren nicht zur Hochzeit erschienen) den Eltern eine Art „Ersatztochter“ ins Haus brachte, endete sein Sonderweg, und er konnte in die Firma Hübner eintreten, sie später übernehmen und weiterführen.
Lohnt sich das Buch: Ja, wenn man zwischen den Zeilen lesen kann, oder wenn man zusätzliche Informationen heranziehen kann; dazu zählen auch meine zwei zwar kurzen, aber persönlichen Treffen mit dem alten Herrn, eines vor zwei Jahren und eines anlässlich der Veröffentlichung dieses Buches. Und noch ein Ja: Wenn man wissen will, wo und wie das Herz des Achim Türklitz schlägt, dann lese man insbesondere die letzten Seiten dieses Buches, quasi den Anhang, der die Geschichte seiner Segelleidenschaft erzählt.
„Ich soll Sie schön grüßen – vom Haus, das Berlin einrichtete“, Books on Mars, Hardcover, 158 Seiten, 19,50 Euro, ab 20. Oktober 2026 im Buchhandel erhältlich.
