Bruno Foß besaß in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts einen „Filmtheaterbetrieb“ in der Friedrichstraße, das „Aladin“, eingerichtet im orientalischen Stil, wie es damals groß in Mode war. Die Friedrichstraße war eine Vergnügungsmeile und der Orient sehr angesagt. Nach dessen Tod erbte das Kino sein Sohn, Friedrich Wilhelm Foß, als er aus dem Krieg zurückkam.

hinten li Friedrich Wilhelm Foß, daneben seine beiden im Krieg gefallen Brüder, zweite Reihe Mitte Bruno Foß
Die Familie Foß wurde nach 1945 enteignet und Friedrich Wilhelm Foß von den Russen als Geschäftsführer in seinem eigenen Kino eingesetzt, denn es war ein Kino, das in der russisch besetzten Zone, in Ostberlin, lag.
Heimlich mit seinem Motorrad nach West-Berlin gefahren, nach er Kontakt zu den Amerikanern im „anderen Sektor“ Berlins auf. Hier wollte er noch einmal neu anfangen. Die Amerikaner wollten natürlich ihre Filme zeigen, ihre Propaganda verbreiten, die Menschen für die Freiheit begeistern. Friedrich Wilhelm Foß bekam das Geld und die Erlaubnis ein Kino zu betreiben. Familie Foß zog 1951 von Ostberlin Friedrichstraße nach Westberlin, nach Wannsee.
Ein geeignetes Gebäude war schnell gefunden, vermutlich im Haus Potsdamerstraße 4.

Luftaufnahme Potsdamer Platz 1954 mit markiertem Kino, vermutlich Potsdamer Straße 4, Anmerkung: Paul Enck
„Das war in einem alten Haus, das noch stand. Das war ziemlich zerstört. Sie haben das wieder aufgebaut und das Kino dort aufgemacht. Da wohnten keine Leute mehr drin. Das Kino nannte mein Vater „Camera“. Für die Russen war mein Vater ein „Spion“, den man beobachtete“, schildert seine Tochter Beate.

Kinosaal Kino Camera
„Die Idee für die „Spule“, diese „Filmbrücke“ ist von meinem Vater. Die Sehnsucht danach, dass das wieder eins werden wird, das war sofort da. Das Gefühl, das gehört zusammen“, sagt Beate.
Die Skulptur wurde von einem Künstler nach den Entwürfen ihres Vaters angefertigt. Die Spule symbolisiert eine Verbindung durch die Kinos zu Ost- und West-Berlin. Wenn man die beiden Sockelstücke zusammenschiebt, dann ergibt es ganz Berlin.

Die Filmspule
„Wir haben ja gelebt mit dieser Spaltung. Wir mussten immer durch die DDR fahren, mein Vater durfte das nicht, nachdem wir umgezogen waren. Der ist immer geflogen“, ergänzt Beate.
Vor dem Mauerbau strömten alle zum Potsdamer Platz auf die Westseite und wollten Westfilme sehen mit Hildegard Knef und all den berühmten Schauspielern aus der damaligen Zeit. Das war für die Russen ganz schwierig.

Eingang Kassenbereich
„Die Leute, die ins „Grenzkino“ wollten, kamen von überall her. Sie haben telefonisch Karten bestellt, so dass mein Vater drei Vorstellungen pro Tag machte. Ostbesucher mit Ausweis zahlten für die 1. und 2. Vorstellung die Hälfte des Eintrittspreises. Und dann kam mein Vater auf die Idee ein zweites Kino in dem Gebäude aufzumachen, in dem das Kino „Camara“ bereits existierte und dafür den gleichen Vorführraum zu nehmen. Das neue Kino hat er wieder „Aladin“ genannt. Er wollte den Russen damit eins auswischen, das war schon sein Ziel“, meint Beate.
Ende der 60er Jahre, als es das große Kinosterben gab, sind viele Kinos eingegangen. Die Kinos auf dem Potsdamer Platz gab es von Anfang der 50er Jahre bis 1961.
„Mein Vater hatte in den 60er Jahren noch drei weitere Kinos in Kreuzberg, eins am Belle-Allianz-Platz. Ich weiß, dass das für meine Eltern ziemlich hart war. Drei Kinos in Kreuzberg nacheinander nicht mehr da und hier zwei am Potsdamer Platz auch nicht mehr.“
Ich bedanke mich bei Beate Herbst für das Interview.
Alle Fotos stammen aus dem Nachlass von Friedrich Wilhelm Foß. Mit freundlicher Genehmigung von Beate Herbst zur Verfügung gestellt.
