Nach 24 Jahren fiel die letzte Klappe für das Filmhaus am Potsdamer Platz. In dem Komplex befanden sich die drei wichtigsten filmkulturellen Einrichtungen der Stadt, das Filmmuseum – Deutsche Kinemathek, die Freunde der Deutschen Kinemathek (FDK) mit dem Kino „Arsenal“ und die Deutsche Film- und Fernsehakademie (DFFB).

Schriftzug am ehemaligen Filmhaus © KUS
Das Filmhaus wurde am 26. September 2000 eröffnet, damals noch im „Sony Center“, das jetzt „Center am Potsdamer Platz“ heißt. Die Hauptgründe für die Schließung waren auslaufende Mietverträge, notwendige Umbaumaßnahmen des Sony Centers und eine geplante inhaltliche Neuausrichtung.
Die Deutsche Kinemathek zog in das ehemalige E-Werk in der Mauerstraße 79 in Berlin-Mitte um und eröffnete dort im Januar 2026 ihre Ausstellungsfläche wieder. Mit dem Umzug der Kinemathek endet die langjährige Nachbarschaft von Filmmuseum, Kino Arsenal und der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) an diesem Standort.
Das Kino Arsenal zog ebenfalls aus dem Filmhaus aus, weil der Mietvertrag im Februar 2025 auslief und nicht verlängert wurde. Das Arsenal zog in das Kulturquartier „Silent Green“ in Berlin-Wedding. Dort werden die denkmalgeschützten Räumlichkeiten des ehemaligen Krematoriums zur neuen Spielstätte umgebaut.
Die letzte Film-Vorführung am Potsdamer Platz fand am 15. Dezember 2024 statt. Während der Übergangszeit bis zur Eröffnung des neuen Kinos, die für April 2026 geplant ist, gab es Veranstaltungen an anderen Orten.
Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) ist ebenfalls im September 2024 aus dem Filmhaus im Sony Center am Potsdamer Platz ausgezogen, um ihren neuen Standort in Berlin-Adlershof zu beziehen. Dieser Umzug ist Teil einer strategischen Neuausrichtung, ein temporärer Standort ist nun das Studio 16 in Berlin-Adlershof.
Sony hat sich Ende März 2023 offiziell vom Potsdamer Platz zurückgezogen. Die Kooperation bezüglich der Namensrechte am Sony Center endete am 31. März 2023. Bereits seit dem 1. April 2023 heißt der Gebäudekomplex offiziell „Center am Potsdamer Platz“. Die ehemalige Europazentrale war bereits früher aufgelöst worden, ein kleinerer Bürostandort bestand jedoch bis zuletzt.

Das ehemalige „CineStar“ am Potsdamer Platz © KUS
Hauptspielort und roter Teppich der Berlinale ist der Potsdamer Platz mit dem Berlinale Palast am Marlene-Dietrich-Platz als Hauptkino für Premieren. Im Rahmen des Festivals werden Filme in zahlreichen Kinos in ganz Berlin gezeigt, darunter der Zoo Palast, das Haus der Berliner Festspiele, das Zeughauskino und weitere Kinos.
Im Sony Center wurde das CineStar Ende 2019 geschlossen, da der Betrieb aufgrund extrem hoher Mieten defizitär war. Ein Eigentümerwechsel, eine Neupositionierung des Centers (Umbau zu Büroflächen) und veränderte Kinogewohnheiten (Streaming, Pandemie) führten dazu, dass keine neuen Kinos in die Flächen einzogen. Stattdessen eröffnete im Mai 2025 „KERB“, als Teil einer neuen Food Hall Kette des Londoner Unternehmens und verwandeln die ehemaligen Kinos in einen kulinarischen (Fast Food)-Treffpunkt mit zwölf Anbietern.
Ironischerweise wurde noch ein kleines Kino unauffällig in eine Ecke gequetscht, das für genau zwei Besucher Sitzplätze anbietet und wohl auf größere Kinozeiten hinweisen soll. Denn mit seinen 2400 Plätzen und trotz guter Besucherzahlen war das CineStar nicht mehr rentabel. Der neue Eigentümer verschob den Fokus des Centers von Unterhaltung auf moderne Büros eine neue Aufenthaltsqualität, also „Futtern statt Film“.

Ironische Erinnerung an den „CineStar“ © KUS
Das Sony Center, inzwischen Center am Potsdamer Platz, gilt mit seiner spektakulären, zeltartigen Dachkonstruktion von Helmut Jahn bis heute als ein weltweit anerkanntes architektonisches Highlight. Trotzdem gibt es seit jeher heftige Debatten um die Architektur des Potsdamer Platzes. Kritiker bezeichnen den Platz als „seelenlos“, er wirke eher als ein künstliches Konzern-Viertel als ein gewachsener Stadtteil. Ob der Potsdamer Platz jemals eine „architektonische Meisterleistung“ war oder ist, hängt im übrigen davon ab, welche Ära man betrachtet. Zumindest erwecken Fotos aus den Zwanziger Jahren den Eindruck, dass am Potsdamer Platz das Leben tobte.
Quellen: Wikipedia, berlin.de, LKK-Architekten
Kai-Uwe Scheding
