Für die Galerien entlang des Schöneberger und des Lützowufers war das Lützowviertel vermutlich immer „Hinterland“, damals (mittendran vom 28. Februar 2025) wie heute: Der Blick geht – vermutlich sehnsüchtig – über den Landwehrkanal, seinerzeit zum Tiergartenviertel, dem bevorzugten Wohnbezirk vermögender Kunstsammler, heute zur Nationalgalerie, dem Kulturforum und demnächst dem neuen Museum der Moderne. Das war vermutlich auch für den Verein Berliner Künstler (VBK) so, der ja von 1841 bis 1945 mitten im Tiergartenviertel residierte, sieht man einmal von dem Intermezzo der Dependance am Lützowplatz zwischen 1938 und 1945 ab, bevor er 1964 final an das Schöneberger Ufer 57 zog (Bild 1).

Bild 1: Haus der Künstler des VBK am Schöneberger Ufer 57 (Quelle: Wikipedia, Fotograf: Sekamor, gemeinfrei).
Schaut man vom „Hinterland“ auf das Lützowufer, wirkt diese Abwendung heute befremdlich. Damals war sie dem Umstand geschuldet, dass Grund und Boden auf der südlichen Seite günstiger waren und sich hier eine andere Wohnarchitektur etablierte als auf der Nordseite: Das Lützowviertel wies eine sehr viel heterogenere Bevölkerung auf (vom Adel bis zum Kleingewerbe und Handwerk) und hatte eine weit höhere Wohndichte als das exklusivere Tiergartenviertel mit seinem Familienvillen. Aber hier lebten die Künstler, deren Werke auf der anderen Seite gesammelt wurden, und nicht nur dort.
Beide Viertel haben sich geändert, vor allem seit der Wiedervereinigung 1989. Und seitdem sich entlang der Potsdamer Straße mehr und mehr Galerien wieder niederlassen, temporär im Rahmen der Art Week und der Galerie-Wochenenden oder dauerhaft, z.B. in den Mercator-Höfen (mittendran vom 11. September 2025), wirft man am Ufer ab und zu den Blick zurück über die Schulter. Und zugegebenermaßen schaut auch der Neubewohner des Kiezes dann und wann bei den Galerien am Ufer vorbei und staunt, was sich hier so tut. Mein Besuch im „Haus der Künstler“ des VBK war der erste nach mehr als 10 Jahren im Viertel, und er kam auf Einladung der Vorsitzenden des VBK, Sabine Schneider, zustande: Der Verein möchte sein 185-jähriges Jubiläum und seine 62-jährige Präsenz hier im Viertel in diesem Herbst mit einer Vortragsreihe feiern, die dem Abschluss der Sanierung dieses 1858 gebauten Hauses gilt, seinen früheren Bewohnern, seiner Geschichte und seiner Bedeutung; dazu demnächst mehr in diesem Blog

Bild 2: Panorama-Aufnahme der laufenden Ausstellung „as time goes by“ des VBK (© PE).
Ich kam in die letzten Vorbereitungen einer Vernissage, die am vergangenen Freitag begangen wurde. Die Ausstellung „as time goes by“ dauert bis zum 22. März 2026 und versammelt Werke von sieben Maler:innen und Bildhauer:innen des VBK aus den vergangenen 50 Jahren (Bild 2), die mit ihrer jeweiligen persönlichen Retrospektive des eigenen Schaffens einen „inneren“ Blick auf ihren Lebensläufe und deren Bedeutung für das eigene künstlerische Schaffen erlauben. Sie ist darüber hinaus „selbst-kuratiert“, d.h. die Künstler:innen haben hier versucht, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln und verwirklichen, dass auf den ersten – und auf den zweiten und weiteren – Blick farbenreich, vielfältig, wechselhaft, tiefgründig und leicht zugleich ist – wie das Leben eben.
