Der Epoche eine Form geben

Mies an der Rohe (Rolf Biebl) – Straße der Erinnerung-Spreebogen (Foto:eki)

Maria Ludwig Michael Mies (1886-1969) hieß er mit Geburtsnamen, der in Aachen geborene, 1969 in Chicago gestorbene Architekt der Moderne. 1921 fügte er den Mädchennamen seiner Mutter „Rohe“ und „van der“ seinem Namen an, weil „der Krieg einen anderen Menschen“ aus ihm machte.

Seine gerade aufwendig sanierte und neu eröffnete „Neue Nationalgalerie“ am Kulturforum begeistert bis heute mit Tragkonstruktionen aus Stahl und großflächigen Fassadenverglasungen, widergespiegelt in seinen Worten: „Weniger ist mehr“.

 

 

 

Die Tafel am Sockel der Büste angebracht (Foto:eki)

1905 aus München nach Berlin gekommen, besuchte Mies Vorlesungen der  „Kunstgewerbeschule Berlin“ und der „Hochschule für bildende Künste Berlin“. Hier befasste er sich zum ersten Mal mit Möbelentwürfen.

Sein erstes Haus war das 1907 errichtete „Landaus Riehl“ in Potsdam-Babelsberg.

Inschrift der Tafel: Baukunst wurzelt in ihren einfachen Gestaltungen ganz im Zweckhaften

1912 folgte ein Jahr in Den Haag. Nach Berlin zurückgekehrt, heiratete Mies van der Rohe 1913 Adele Auguste (Ada) Bruhn.

Der erste Weltkrieg unterbrach seine Arbeiten, bis er Anfang 1919 nach Berlin zurückkehrte.

Hier stand das Haus „Am Karlsbad 24“ (Foto:eki)

Hier wohnte Mies van der Rohe von 1921-1938 in Berlin-W. 35, Am Karlsbad 24, hatte dort sein Berliner Atelier. Das Haus gibt es nicht mehr. Im Zuge Albert Speers Planungen für die Nord-Süd-Achse wurde es abgerissen. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Grünanlage mit Spielplatz und Tischtennisplatten, gegenüber der „Feuersozietät“ Hausnummer 6-7.

Adressbuch Berlin 1923, Seite 453 – digital.zlb.de

Mies van der Rohe schloss sich 1921 der „Novembergruppe“ (Künstler verschiedener avantgardistischer Bewegungen) an und organisierte bis 1925 die Architekturbeiträge der Gruppe für die jährliche „Große Berliner Kunstausstellung“. Ein Jahr später gründete er eine Vereinigung junger Architekten, „Der Ring“. Ihr Ziel: „Neues Bauen“ zu fördern. Beide Gruppen versammelten sich regelmäßig „Am Karlsbad 24″.

Der „DWB“ (Deutscher Werkbund) ernannte ihn 1926 zum Vizepräsidenten, bereits 1923 nahm man ihn in den „BDA“ (Bund Deutscher Architekten)auf.

Den Weißenhof-Stuhl, eine Variante des Stuhls ohne Hinterbeine, schuf er 1927. Mit einer Federung machte er den Stuhl zum ersten, federnden Freischwinger und zu einem der erfolgreichsten Stuhldesigns des 20. Jahrhunderts.

Der Freischwinger „S533“ war seine Weiterentwicklung des Kragstuhls „S34“ des niederländischen Architekten und Designer Mart Stam. Ein erbitterter, jahrelanger Streit um die Urheberschaft begann, bis die Klage 1932 vor dem Bundesgerichtshof landete, der Stam die künstlerische Urheberschaft des Stuhls bestätigte. Die Federung, ein wesentliches Merkmal seiner Erfindung, verhalf Mies zu den Rechten vieler technischer Aspekte des Freischwingers.

Zur Weltausstellung in Barcelona 1929 bot man ihm die künstlerische Leitung der Deutschen Abteilung an. Der „Barcelona-Sessel“, „Thron“ für das spanische Königspaar im Deutschen Pavillon, ist einer seiner bekanntesten und erfolgreichsten Möbelentwürfe.

Sitzmöbel aus der „Barcelona-Kollektion“ (Foto:eki)

In den Ausstellungsräumen der „Neuen Nationalgalerie“ laden auch heute die Barcelona-Sitzmöbel zum Verweilen ein. Die „Barcelona Kollektion“ umfasst neben dem Sessel den Hocker (für die Bediensteten) und ein Glastischchen mit Kreuzgestell. Der nach seinen Plänen gebaute „Pavillon“, ist eines der bedeutendsten Bauwerke der modernen Architektur überhaupt. Bleistiftzeichnungen des „Pavillon Barcelona“ zeigt die Kunstbibliothek des Kunstgewerbemuseums am Kulturforum.

Schließlich nahm Mies van der Rohe die Berufung als Direktor mit akademischer Lehrtätigkeit ans Bauhaus in Dessau an. Er wurde Mitglied der „Preußischen Akademie der Künste“, 1934 Mitglied der „Reichskulturkammer“ und trat in die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ ein.

Bis 1933 entstanden nach seinen Plänen Gebäude in Berlin und Umgebung, später in ganz Deutschland und Europa.

Nach politischen Vorgaben bauen zu müssen, war mit seinen Vorstellungen von Architektur unvereinbar. Die Nationalsozialisten grenzten ihn in den folgenden Jahren immer mehr aus und drängten ihn 1937, die „Preußische Akademie der Künste“ zu verlassen. Als das Bauhaus in Dessau 1932 schließen musste, gründete er das Bauhaus Berlin, das ebenfalls ein Jahr später auf Druck der Nazis schloss. Damit war klar, er wurde offiziell abgelehnt.

Wegen zunehmendem politischen Drucks und nachdem die Nazis seinen Pass einzogen, floh er 1938 in die USA, wo er in seinem „miesian-style“ weiter arbeitete. 1944 bekam er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Neben vielen internationalen Auszeichnungen wurde ihm 1959 das „Große Bundesverdienstkreuz“ verliehen.

Neue Nationalgalerie (Foto:eki)

Anfang der 1960er-Jahre bot der Senat von (West)-Berlin Mies van der Rohe die Planung der „Neuen Nationalgalerie an. Mit dem Bau wurde am 23. 9. 1965 begonnen, 1968 war die Eröffnung. Die „Neue Nationalgalerie“ ist das einzige Bauwerk, das er nach dem Zweiten Weltkrieg  in Deutschland baute.

 

Mies van der Rohe war einer der erfolgreichsten und innovativsten Baumeister.

Sein Thugendhat-Sessel, in der Sammlung des Bauhausarchivs Berlin zu sehen, der Brno-Stuhl, Möbel aus der „Barcelona-Kollektion“ und die Palisanderliege mit Nackenstütze sind bis heute im Fachhandel zu bekommen. Der „Weißenhof-Stuhl“ wird noch immer fast unverändert produziert.

Quelle: Mies van der Rohe – Bauwelt.de

 

 

 

Edith Kitzelmann

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