Brücke über den Landwehrkanal – Antworten noch unbefriedigend!

 

Wegen der unübersehbaren Risiken für Fußgehende und Radfahrende am Ausgang des Gleisdreieckparks fasste das Stadtteil-Forum Tiergarten Süd im März den Beschluß, eine Verbindung für Fußgehende und Radfahrende über den Landwehrkanal und die Autostraßen Schöneberger- und Reichpietsch-Ufer voran zu treiben. (Wir berichteten)

 

In der Zwischenzeit haben Abgeordnete der Bezirksverordnetenversammlung (Andreas Hauptenbuchner) und des Berliner Abgeordnetenhauses (Thomas Isenberg) entsprechende Anfragen an die Zuständigen in Bezirk und Senat gestellt. Die Antworten sind aus unserer Sicht recht dürftig ausgefallen. So antwortet Sabine Weissler, im Bezirk zuständig für Straßen und Grünflächen, es seien „in dem Bereich bereits benutzbare Fuß- und Radwegverbindungen vorhanden. Aus der Köthener Straße kommend ist für den Radverkehr nach der Landwehrkanalbrücke zudem extra die Möglichkeit gegeben, nach rechts auf dem nördlichen Gehweg des Schöneberger Ufers auf einem eigenen Radweg, entgegen der Kfz-Richtung bis zur Lichtsignalanlage an der Einmündung der Flottwellstraße, zu fahren.“ Immerhin erkennt sie an, dass diese Route zwar auch vom Gleisdreieckpark nutzbar „aber weniger komfortabel“ sei. Recht realitätsfern folgt dann: „In Gegenrichtung kann die Fahrbahn und die lichtsignalgeregelten Kreuzungen genutzt werden, die auch für den Fußverkehr eine normale Verbindung darstellen.“ Und im Übrigen hält sich der Bezirk für nicht-zuständig: „Allerdings liegen sowohl die Köthener Straße als auch dieser Teil des Schöneberger Ufers vollständig im Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Auch die Kanaluferstraßen sind Teil des übergeordneten Straßennetzes und liegen somit bei den Planungsvorgaben in der Zuständigkeit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK).“

Aber immerhin, es gibt beim Bezirk auch so etwas wie ein institutionelles Gedächtnis:

Eine optimalere Verbindung würde die Fuß- und Fahrradbrücke über den Landwehrkanal herstellen. Hierzu hat es vor Jahren bereits einen Wettbewerb gegeben, bei dem das Bezirksamt Mitte, wie auch bei den anschließenden Abstimmungen mit der Senatsverwaltung zum Fahrradverkehr, involviert gewesen ist.“ Aber ach, „auch dieses Projekt liegt in der Zuständigkeit von SenUVK. Dem Bezirksamt liegen derzeit keine aktuellen Informationen zum Umsetzungsstand vor.“ Man hat also seinerzeit mitgewirkt – und dann die Sache nicht weiterverfolgt! Berliner Verwaltungshandeln?!

 

Die Antwort aus dem Hause der Senatorin Günther fällt schon etwas differenzierter aus. So wird die Bedeutung der Querung der großen Verkehrsadern und des Landwehrkanals und die derzeitige Situation als suboptimal anerkannt:

Die Verbindung vom Potsdamer Platz kommend über den Landwehrkanal in den Park am Gleisdreieck und vice versa ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung, sowohl für den Fuß- als auch den Radverkehr. So verläuft bspw. der Fernradweg Berlin-Leipzig über diese Route. Derzeit ist die Verkehrsverbindung an der genannten Stelle weder für Radfahrende, noch zu Fuß Gehende optimal, da keine direkte Querungsmöglichkeit zwischen dem Park am Gleisdreieck und dem Tilla-Durieux-Park besteht. Längere Wege über die George-C.-Marshall-Brücke oder die Köthener Brücke sind daher zwangsläufig notwendig.“ und „Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens ist die Radverkehrssituation als ungenügend einzuschätzen und entspricht in den derzeitigen Ausführungen auch nicht mehr den aktuellen Standards, die gemäß Mobilitätsgesetz gefordert sind.“

Und erfreulicherweise sieht die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz eine Querung des Landwehrkanals an dieser Stelle als grundsätzlich wünschenswert an, und stellt fest, dass „derzeit wieder Vorstöße unternommen werden, das Brücken-Vorhaben voranzutreiben.“

Ausgang offen, denn obwohl mittlerweile „Konsens darüber besteht, dass die Brücke neben dem Kanal auch die Kanaluferstraßen überspannen sollte, um Querungen der Straßen mit Hilfe von Lichtsignalanlagen zu vermeiden“ wurden 2014 „vorangeschrittene(n) Planungen einer Brückenkonstruktion, die im Bereich des Tilla-Durieux-Parks und des Gleisdreieckparks mündet, nicht weiter verfolgt.“ Wegen des Streckenverlaufs der Bahntrassen, welche sich unter den Grünanlagen befinden und den Landwehrkanal unterqueren, sei aus Kosten- und Sicherheitsgründen ein Brückenbau daher nicht bzw. nur unter unwirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich.

Verstörend ist die Aussage zu den ehemals zurückgelegten Geldern für eine Brücke über den Landwehrkanal:

Der exakte Betrag aus den für eine Brücke reservierten Ausgleichsmittel am Potsdamer Platz ist der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass die ursprünglich reservierten Mittel in Höhe von 5 Millionen Euro unter den bekannten Umständen bei Weitem nicht für eine Brückenkonstruktion auskömmlich sind.“

Cykelslangen (Quelle: wikimedia.org)

Berlin ist die Stadt der Kreativen. Berlin will ein Verkehrskonzept, dass Fußgehenden, Radfahrenden (und dem ÖPNV) Vorrang gewährt gegenüber dem klimaschädlichen Individualverkehr. Eine entsprechende Ausschreibung könnte die oben genannten Hindernisse möglicherweise überwinden. Kopenhagen hat sich seine Fahrradbrücke über das Hafenbecken (Cykelslangen) etwas kosten lassen, die technischen Probleme dürften nicht geringer als hier gewesen sein. Aber Kopenhagen will ja auch „der fahrradfreundlichste Ort auf der Welt werden“ – und Berlin?

2 Kommentare

  1. Informativer Artikel! Es wird Zeit, dass die Planungen für die Brücke wieder aufgenommen werden. Sind sich ja alle einig, dass die Brücke gebraucht wird.

  2. Ganz schrecklige Ecke.
    Es wäre wirklich Zeit, dass dort eine Fußgänger- und Radfahrer-Brücke entsteht.
    Die Breiten Straßen und der Kanal trennen die Kieze unnötig.

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