Wäre nicht das Hinweisschild an der Potsdamer Straße 91, würde man den mit „Panama“ überschriebenen Hofeingang wohl nur betreten, wenn man dort zum Frisör will – Laufkundschaft ist selten geworden, seit das Restaurant Panama geschlossen hat. Aber Masaki Matsuyama, der Blumenkünstler, hat Stammkunden, und wer im Lützow-Viertel ein Blumengeschäft sucht, findet ihn auch – so wie der Autor dieser Zeilen.

Seit einem Jahr im Viertel, aber bereits vor 14 Jahren, damals 31 Jahre alt und ohne Deutschkenntnisse, aus Japan nach Deutschland gekommen, um japanische Blumen- und Pflanzen-Ästhetik (Ikebana) mit europäischer Floristik zu vereinen. Während im Westen die Anzahl und Farbe der Blumen betont und hauptsächlich die Blüten beachtet werden, betonen die Japaner die linearen Aspekte der Anordnung. In dieser Kunst werden ebenfalls Vase, Stängel, Blätter, Zweige sowie auch die Blüten beachtet und bilden ein harmonisches Ganzes. Davon zeugen einige Beispiele in diesem untypischen „Blumenladen“. Obwohl: den Unterschied zwischen Ikebana und Floristik zu „erklären“ fällt ihm – wie mir – schwer, ist mehr eine Frage des Empfindens, denn fester Regeln. Und erfordert die Erkundung von biologischen wie ästhetischen Möglichkeiten: Wieviel Licht, wieviel Wasser, wieviel Zeit, welchen Rahmen, welche Gefäße braucht ein Arrangement von – lebendigen wie toten – Pflanzen, Blüten, Gräsern. Die Synthesen, die er gefunden hat, sind eindrucksvoll.

2012 kam Herr Matsuyama nach Deutschland, besuchte eine Sprachschule in Charlottenburg und absolvierte von 2013 bis 2016 eine Floristen-Ausbildung. Als Geselle sammelte er drei Jahre Berufserfahrung bei Blumen- und Gartenkunst Tunger-Schnur GmbH in Alt-Moabit. Sein damaliger Chef, Andreas Tunger, hatte seine Meisterausbildung in Weihenstephan gemacht und motivierte ihn, den gleichen Weg zu gehen. Von 2019 bis 2021 studierte er in Vollzeit an der staatlichen Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan in Freising bei München. Im Juli 2021 legte er dort die Prüfung ab, kam zurück nach Berlin und arbeitete in seinem alten Betrieb, jetzt als Meister. Zusätzliche Berufserfahrung sammelte er in Wien bei blumekraft.

Im Frühling 2024 fand er den jetzigen Standort und eröffnete dort am 2. Advent offiziell das eigene Geschäft. blumenkunst wurde hier auch Teil des Berlin Gallery Weekend (im Frühling) und der Berlin Art Week (Sommer-Herbst), bereits 2025 und auch wieder im laufenden Jahr und in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern der ästhetischen Welt. Wir werden berichten.
