Gedenkspaziergang – In Demut erinnern

Die SPD-Tiergarten Süd hatte für den 10. Mai zu ihrem jährlichen Gedenkspaziergang geladen, dieses Mal ging es durch die Lützowstraße. Die Berichte über das jüdische Leben in unserem Kiez, über die Verfolgungen durch die Nazis und die Schicksale der Opfer sind immer wieder sehr bewegend.

Ein klares Fazit: NIE WIEDER!

Ca. dreißig Teilnehmende gedachten der durch Stolpersteine geehrten Familien Preuß, Kubatzki, Loewy, Schmoller und Paul Kroner. Mitglieder der SPD-TGS und der Initiative Stolpersteine Mitte informierten über die Lebensläufe der Ermordeten, Geflüchteten und in den Selbstmord getriebenen. An den Stolpersteinen der Familie Schmoller wurde aber auch der anderen 153 Verfolgten, Entrechteten und Ermordeten gedacht, die in dieser Straße wohnten und für die es keine Stolpersteine gibt. Und daran, dass dieses Unrecht nicht ungesehen geschehen konnte, dass die Nachbar*innen weggeschaut hatten und dass mangelndes Mitgefühl Menschen wie die Schmollers in den Selbstmord getrieben hatte.

Prof. Paul Enck berichtete über die Sephardische und die Große Synagoge, die beide wesentliche Elemente des jüdischen Lebens im Lützow-Viertel gewesen waren. Sehr berührend waren seine Schilderungen zur Recherche und den Erkenntnissen zum jüdischen Altersheim, in dem 256 Personen zusammengepfercht worden waren und größtenteils im Heim oder bei der Deportation gestorben oder ermordet worden waren, nur neun überlebten.

Dr. Rainer Sandvoss sprach über den Widerstand, den engagierte Kräfte in der Berliner Arbeiterschaft (am Beispiel der Verlagsgesellschaft A. Frisch) und bei der Polizei (gegen die Gleichschaltung im nationalsozialistischen Kameradschaftsbund ) geleistet haben.

An diesem Ort erinnert heute das Schwule Museum an die Verfolgung der Homosexuellen und des Sexualforschers Magnus Hirschfeld. Für M. Schulz (stellv. Vorsitzender der SPD Berlin) ist das Museum aber auch ein Ort, an dem queere Vergangenheit nicht nur erinnert, sondern gefeiert, befragt und neu verhandelt wird und damit zu einer permanenten Weiterentwicklung des Berliner vielfältigen Lebens beiträgt.

Am Ende des zweieinhalbstündigen Gedenkspaziergangs wies die SPD-Abgeordnetenhauskandidatin für unseren Kiez, Lucy Demers, darauf hin, dass gerade heute die Wachsamkeit gegenüber demokratiefeindlichen und diskriminierenden Haltungen und Entwicklungen besonders wichtig ist.
In einer Zeit, in der menschenverachtende und faschistische Aussagen ungestraft wieder in den allgemeinen Sprachgebrauch Einzug halten, Jüdinnen und Juden in Berlin wieder in Angst leben müssen, Hass-Äußerungen und -Taten gegenüber queeren Personen dramatisch zunehmen und rechtsextreme Politiker*innen sich ungeniert verfassungs- und demokratiefeindlich äußern können, müssen wir wachsam bleiben für die Änderungen, die unser friedliches Zusammenleben gefährden.

Die im letzten Jahr verstorbene Margot Friedländer hat uns alle immer ermahnt:

Ihr seid nicht schuld an dem, was war. Aber verantwortlich dafür, dass es nicht wieder geschieht.

Margot Friedländer und andere Zeitzeug*innen zeigten und zeigen immer noch auf, wie schnell aus einer Demokratie ein Unrechtsstaat entstehen kann. Aber die Zahl der Zeitzeug*innen schwindet rapide. Um so wichtiger ist es, dass wir die Erinnerung wachhalten, denn:

Nie Wieder ist Jetzt!

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