Von J. Lückerath
Der Autor zog 1970 in die Pohlstraße und wohnt bis heute dort. Im Laufe der fast 56 Jahre hat er Abriss und Wiederaufbau beobachtet und fotografiert.
Mitte April 1970 konnte ich nach Vertragsunterzeichnung beim Grundstücksamt Tiergarten in die Ladenwohnung in der Pohlstr.2 einziehen, der Mietpreis: 67,78 DM für einen großen Ladenraum mit Flur; Küche, Schlafzimmer und Duschbad – insgesamt 55 qm, mit Ofenheizung, was damals in Berlin noch üblich war. Aus heutiger Sicht eine Traummiete.

Das Haus Pohlstr.2/Ecke Flottwellstraße, ein ehem. Eisenbahnerhotel
Wie meine Nachforschungen ergaben, handelte es sich um ein ehemaliges Eisenbahner-Hotel. 1978 bekam ich die Kündigung und mir wurde in der Pohlstraße 44 eine neue Wohnung nachgewiesen.

Hofseite meiner neuen Wohnung, damaliger Zustand

Die Hofseite im heutigen Zustand
Im Herbst 1978 zog ich um und kurz darauf wurde das Haus Pohlstr. 2 abgerissen. Es war das letzte Haus, das für den damals noch geplanten Zubringer für die Westtangente abgerissen wurde. Es war aber auch das letzte Wohnhaus in der Flottwellstraße.
Heute steht an gleicher Stelle wieder ein Hotel.

Das neue Hotel Flottwell
Meiner Ladenwohnung gegenüber war ein Trümmergrundstück, auf dem Baracken von der Firma Kanold und Reimann standen. Anfang der 80er Jahre verließ die Firma diesen Standort, erst 2012 begannen die Arbeiten für einen Neubau auf dem Grundstück.

Kranaufbau für den Neubau Pohlstr. /Ecke Dennewitzstraße
Heute steht dort dieser Neubau mit den Hausnummern 1 – 3 und 5.

Der Neubau Pohl/Ecke Dennewitzstraße
Am Ende des 2. Weltkriegs standen in der heutigen Pohlstraße nur noch elf Häuser von einst fast 100 Häusern. Von meiner neuen Wohnung aus konnte ich auf die Rückseite der Häuser in der Kurfürstenstraße sehen, da auf den Grundstücken an der Pohlstraße nur einstöckige provisorische Gebäude mit Kleingewerbe standen.
Von 1984 bis 1986 wurde eine ganze Neubauzeile errichtet.

Neubauzeile in der Pohlstraße
Rechts neben der Pohlstr. 44 waren Trümmergrundstücke mit einem noch erhaltenen Fabrikgebäude, das aber als baufällig galt. Beim Abriss erwies es sich als so massiv, dass die Abrissbirne nichts ausrichten konnte, sondern es wurden dann zwei Knabberbagger eingesetzt, die mehr als 14 Tage benötigten, um den „baufälligen“ Bau abzutragen.

Abriss des Fabrikgebäudes Pohlstr. 38, ca. 1990
Heute trägt der gesamte Neubau die Nummer 40.

Neubau der Telekom Pohlstr. 40
Aus dem Erkerfenster im 1. OG hat ein Nachbar ein Foto von der Pohlstraße Richtung Potsdamer Straße gemacht. Es zeigt die Häuser Pohlstr. 59 und 61 und das Trümmergrundstück an der Ecke Potsdamer Straße, genutzt als Stellfläche für einen Gebrauchtwagenhändler.

Pohlstraße/ Ecke Potsdamer © Felix Reulecke
Im Haus Nr. 59 befand sich damals die Fleischerei Staroske, heute in der Potsdamer Str. 116. Nebenan in der Nummer 61, wo heute das vietnamesische Bistro ist, war eine Kneipe und in der heutigen „Mahlzeit“ war ein Milchgeschäft, in welchem man noch lose Milchprodukte kaufen konnte. Anfang der 80er Jahre wurde das Haus besetzt, so konnte der Abriss verhindert werden.
Die Postkarte zeigt die ehemalige Steglitzer Straße, die 1937 von den damaligen Machthabern in „Ludendorffstraße“ umbenannt wurde. General Erich Ludendorff hatte sich bereits 1920 der nationalsozialistischen Bewegung angeschlossen. Erst ab 1947 hieß sie – nach der Widerstandskämpferin Ottilie Pohl – Pohlstraße.

Blick in die Steglitzer Straße von der Genthiner Straße aus Landesarchiv, F-Rep_251-02_4938
Am Ende des 2. Weltkriegs lag das ganze Areal zwischen Genthiner Straße, dem Magdeburger Platz mit der Markthalle, der Magdeburger Str. (heute Kluckstr.) bis hin zur Kurfürstenstraße in Trümmern. Nur wenige Grundmauern standen noch. Arno Türklitz, Inhaber von Möbel Hübner in der Genthiner Straße, erwarb nach und nach das gesamte Areal, baute zuerst ein Möbellager mit Ausstellungsraum und bezog 1964 ein neues Hochhaus mit 12 Geschossen.

Hochhaus von Möbel Hübner
Der flachere Anbau entlang der Pohlstraße schloss eine noch vorhandene Baulücke.

Die Aufnahme zeigt die ehemalige Steglitzer Straße, heute Parkplatz des Möbelhauses. Im Hintergrund sieht man einen der jüngeren Neubauten, die Pohlstr. 91.
© Alle Fotos außer der historischen Postkarte: J. Lückerath
